Human Aid Collective – Es kommt auf jeden Euro an

Eine Chemnitzer Organisation liefert Hilfsgüter ins Ausland. Alle Mitwirkenden arbeiten ehrenamtlich und opfern sich für diese Hilfe auf. Dafür erhielt das Kollektiv dieses Jahr den Chemnitzer Friedenspreis.

Die Freizeit opfern oder sogar den eigenen Beruf hintenanstellen, um sich für Menschen in Not einzusetzen? Bei vielen sozial Engagierten bleibt dies ein Wunschgedanke und die Routine des Alltags verhindert solche Pläne. Mehrere Schlüsselmomente sorgten bei den Beteiligten des Human Aid Collective dafür, dass sie nicht mehr anders konnten, als in der Praxis aktiv zu werden. Denn ihre Hilfe kommt genau dort an, wo sie am nötigsten gebraucht wird: im Krisengebiet – wo keine staatliche Hilfe mehr existiert.

Human Aid Collective bei einer Hilfsaktion auf der „Balkanroute“

„Als wir 2015 mit der Arbeit anfingen, dachten wir an kurzfristige Hilfen. Wir dachten es wäre ein Systemfehler, der behoben wird. Wir gingen davon aus, dass bald genügend Hilfe durch die EU für Flüchtlinge geleistet wird.“, erklärt Oliver Niesslein, einer der Gründer des Projektes. „Allein die Tatsache, dass wir immer noch existieren beweist das Gegenteil. Das zu erkennen, war ein schmerzhafter Prozess.“ Begonnen hatte diese Erkenntnis mit einer Hilfslieferung von Winterkleidung und Decken nach Kroatien im November 2015. Damals fand sich spontan deutschlandweit eine Gruppe, die zu einem kroatischen Militärcamp nahe der Grenze zu Bosnien Herzegowina reiste. Dort merkten sie schnell, dass es keinerlei staatliche Hilfe gab und die Menschen auf Spenden der Hilfsorganisationen angewiesen waren war. Somit wurde dieses prägende Erlebnis zum Auslöser der Gründung des Kollektivs.

Für die Arbeit vom Human Aid Collective sind zahlreiche nationale und internationale Nichtregierungsorganisationen und private Kontakte nötig, mit denen die Organisation kooperiert. Ohne diese Netzwerke könnte das Kollektiv die Transporte der Hilfsmittel nicht organisieren. Elementar für die Arbeit sind natürlich auch die Spenden. „Der Großteil unserer Spenden sind kleine Beiträge zwischen 5 und 20 Euro.“, sagt Niesslein und macht deutlich, dass es auf jeden Euro ankommt. Niesslein weiter: „Mit einem Betrag von 20 Euro können Medikamente organisiert werden, die im Notfall Leben retten.“

Frank und Jeanette Hänel, Nour Alghafeer und Oliver Niesslein im Lager des Kollektivs.

Niesslein ist zwar einer der Strippenzieher, aber ohne weitere UnterstützerInnen, wäre die Arbeit des Vereins nicht zu stemmen. Jeanette Hänel, welche hauptberuflich auf einer Pflegestation für Komapatienten arbeitet, ist eine dieser Personen. „Ich kam im Juni 2015 in Kontakt mit der Gruppe, als ich in der Erstaufnahmeeinrichtung im Adalbert-Stifter-Weg ehrenamtlich geholfen hatte. Als ich damals über Mundpropaganda versuchte Spenden zu organisieren, lernte ich Oliver kennen.“ Bis heute ist sie sehr aktiv und packt beim Beladen der Hilfstransporte an oder hilft bei der Öffentlichkeitsarbeit. Ein Projekt, dass ihr besonders am Herzen liegt ist die Hilfe für das kleine Mädchen Sabah.

Yazan wohnt in Idlib unterstützt die Organisation direkt aus Syrien.

Sabah lebt in einem Flüchtlingslager in Idlib in Syrien und wurde vor kurzem wegen einer Durchblutungsstörung im Gehirn operiert. „Ich bin selbst Mutter und wenn ich Kinder in Not sehe, geht mir das sehr nahe.“, erklärt Hänel. „Ich war geschockt, als ich sie kurz nach der Operation auf dem staubigen Boden eines Zeltes gesehen habe. Dort war nichts steril und es gab keine medizinische Versorgung für Sabah.“ Mit der Kontaktperson Yazan, der in Idlib lebt, tauscht sie sich stets per Messenger über den Zustand des Mädchens aus. So unterstützt Hänel bei der Nachbehandlung und organisiert Spenden, um notwendige Medikamente für Sabah zu besorgen.

Über das Stammteam hinaus bekommt der Verein jedoch auch Hilfe von außen. So erhielt die Organisation regelmäßig Spenden von einem Drogeriemarkt in der Ermafa-Passage, weil deren Inhaberin die Organisation unterstützen will. Auch gibt es Kontakte zu einem Sanitätshaus, welches gebrauchte und defekte Rollatoren oder Rollstühle dem Kollektiv überlässt. Nachdem diese wieder repariert worden, können diese den körperlich eingeschränkten Flüchtlingen gespendet werden.

Für diese erfolgreiche Arbeit, mit all ihren Mühen und Hindernissen, erhielt das Kollektiv zurecht im Jahr 2019 den „Chemnitzer Friedenspreis“. Der erhoffte Effekt blieb jedoch aus. „Wir dachten, dass wir nun etwas mehr Unterstützung von der Politik oder Chemnitzer Betrieben bekommen würden. Das war aber leider kaum der Fall.“, bilanziert Niesslein. Natürlich werden auch immer Leute zum Kisten packen gesucht oder Menschen, die das Projekt bewerben. Aber daneben braucht das Human Aid Collective auch Gruppen, die die Organisation finanziell stärken wollen. Weiter werden Betriebe gesucht, die bei der Logistik helfen. Diese Hilfe ist notwendig, damit die Organisation weiter Hilfe im Dienst der Humanität leisten kann.

Der Verein sammelte jährlich Pakete für die „Liebe im Karton“-Aktion aus Würzburg. Die Boxen beinhalten notwendige Kleidung, aber auch Spielzeug für Kindern in den Flüchtlingslagern Syriens.

Der Verein erhält für die Arbeit im Ausland keine Fördermittel und ist auf Spenden angewiesen. Wer das Human Aid Collective unterstützen will, erfährt dazu mehr unter: www.human-aid-collective.de

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