Verfolgung der Ahmadiyya in Pakistan

Die muslimische Ahmadi-Gemeinde wird zunehmend diskriminiert. Der Wahlkampf von Premierminister Imran Khan im letzten Jahr hat diese Tendenzen noch verstärkt.

Dieser Artikel ist in der August/September-Ausgabe zu finden.

Ahmadis bilden eine Gruppe, die im 19. Jahrhundert aus dem britisch kontrollierten Indien stammt. Sie verstehen sich als islamische Bewegung und werden von orthodoxen Muslimen als ketzerisch angesehen. Es ist ihnen in Pakistan verboten, sich Muslime zu nennen oder islamische Symbole in ihren religiösen Praktiken zu verwenden. Weltweit gibt es ungefähr 20 Millionen Anhänger. Sie sind Diskriminierung, Gewalt und den Vorwürfen ausgesetzt, dass ihr Glaube den Islam beleidigt.

Die Ahmadis betrachten sich als Muslime. Aber ihre Anerkennung von Mirza Ghulam Ahmad, der die Gemeinde 1889 gründete, als “untergeordneter Prophet” wird von vielen Sunniten als Verstoß gegen den islamischen Grundsatz angesehen, dass der Prophet Mohammad der letzte direkte Botschafter Gottes war.

“Ahmadis in Pakistan haben keine religiösen Freiheiten und die jüngsten behördlichen Maßnahmen bedeuten, dass sich die Situation weiter verschlechtern und es Ahmadis unmöglich machen wird, ihren Alltag fortzusetzen”, sagte Saleem ud Din, Sprecher der pakistanischen Ahmadi-Gemeinschaft.

Religiöse Diskriminierung ist seit langem ein Problem in Pakistan. Im hauptsächlich sunnitischen muslimischen Staat mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, gab es in den letzten Jahren immer mehr Angriffe gegen Schiiten, Christen, Hindus und Sikhs.

Ahmadis waren seit der Verfassungsänderung von 1974 besonderem Druck ausgesetzt. In dieser wurden sie für nichtmuslimisch erklärt. Ein Jahrzehnt später entschied der Militärherrscher General Zia ul Haq, es ihnen ausdrücklich zu verbieten, sich selbst als Muslime zu bezeichnen.

Außerdem wichtig: Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs besagt, dass die Bürger bei der Beantragung von Ausweispapieren ihre Religion angeben müssen. Die Ahmadi werden dann als Nicht-Muslime gekennzeichnet und im Beruf oder Alltag benachteiligt. Laut Aussagen von Rechtsaktivisten in Pakistan richtete sich dieses Urteil speziell gegen die Ahmadi-Gemeinschaft.

Die Partei des Premierministers unterstützt immer mehr religiöse Gesetze, um Einfluss auf Anti-Ahmadi-Gruppen zu gewinnen. Die Gemeinschaft der Ahmadis warf Premierminister Khan in einer Erklärung vor, „die Flammen des religiösen Hasses gegen Ahmadis“ entfacht zu haben. Im Jahr 2017 wurden über 60 Ahmadis aufgrund diskriminierender religiöser Gesetze verhaftet. Es erschienen mehr als 2.500 Anti-Ahmadi-Nachrichten in Pakistans urdu-sprachigen Zeitungen.[1]

Trümmer der zerstörten Moschee in Sialkot

Im Mai 2018 griff ein Mob eine 100 Jahre alte Ahmadi-Moschee in Sialkot im Osten Pakistans an, angefacht durch die Worte eines Predigers. Am 10.10.2017 hat der Schwiegersohn des Ex-Premierministers, Kapitän Muhammad Safdar, die Gemeinde der Ahmadiyya weiter ausgegrenzt. Safdar sagte Ahmadis würden heimlich gegen staatliche Interessen vorgehen und eine Bedrohung für das ganze Land darstellen. Er forderte auch weitere Maßnahmen gegen die Gemeinschaft.[2] Nur zwei Tage nach dieser parlamentarischen Hassrede wurden drei Ahmadis wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt.[3]

Insgesamt wird der religiöse Fanatismus in Pakistan seit den Protesten in Islamabad im November 2017 gestärkt. Der damalige Justizminister Zahid Hamid plante das Schwören eines Eides für Abgeordnete abzuschaffen. Bei diesem Eid musste auf den Koran geschworen werden. Dies wurde von der sunnitischen Mehrheit so interpretiert, dass Hamid auch der Ahmadiyya-Gemeinde eine Chance gibt, Abgeordnete für das Parlament zu stellen.

In Umlauf gebrachte Geldscheine, welche einen Stempel zeigen, der die Ahmadis als Nicht-Muslime bezeichnet.

Tatsächlich unterstützte Hamid die Ahmadis gar nicht und betonte dies auch mehrmals öffentlich. Zum damaligen Zeitpunkt gab es jedoch einen großen Korruptions-Skandal des damaligen Premierministers Nawaz Sharif. Im Rahmen der Veröffentlichung der Panama-Papers kam heraus, dass Sharif mehrere Briefkastenfirmen besaß. Diese Ablenkung nutzte also der damaligen Regierung, um von den Ermittlungen abzulenken und wiederholt Stimmung gegen die Ahmadis zu machen.

Es folgten wochenlange Proteste in der Hauptstadt. Schließlich kapitulierte die pakistanische Regierung vor den fanatischen Mullahs und stimmte ihren Forderungen zu. Zahid Hamid wurde kurz darauf entlassen und ein Verbot von Hassreden der Mullahs gegen religiöse Minderheiten wurde aufgehoben.[4] Es dürfen auch keine Hindernisse für Anzeigen nach dem berüchtigten Blasphemiegesetz Paragraf 295-C geben.

Das Gesetz wurde global bekannt, nachdem die Christin Asia Bibi 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde. Nach acht Jahren Haft wurde sie jedoch vom Gerichtshof freigesprochen, woraufhin erneut große Proteste von religiösen Fanatikern ausbrachen. Trotzdem legte die Regierung Pakistans fest, auch bei zukünftigen Urteilen soll keine “Nachsicht” ausgeübt werden.

Die Regierung Khans beugt sich zunehmend den religiösen Fanatikern im Land

Insgesamt sind Ahmadis in Pakistan in einer prekären Lage. Da die Gemeinde 1974 per Gesetz für nichtmuslimisch erklärt wurde, erließ der Diktator Zia-ul-Haq 1984 ein Dekret, wonach Ahmadis sich nicht wie Muslime verhalten dürfen. Durch den zunehmenden Missbrauch der Blasphemiegesetze, die vor allem durch die Anwendung der Todesstrafe von Menschenrechtsorganisationen deutlich kritisiert werden, wurde nun legal die Tür für weitere Diskriminierung geöffnet.

Der Autor ist Angehöriger der Ahmadiyya-Gemeinde in Chemnitz. Er wird in den nächsten Ausgaben über aktuelle Entwicklungen in Pakistan berichten.


[1] Quelle: https://www.persecutionofahmadis.org/annual-report/

[2] Quelle: https://www.dawn.com/news/1362922

[3] Quellen: https://www.dawn.com/news/1363201 und https://www.humanrights.asia/news/ahrc-news/AHRC-STM-136-2017/

[4] Quelle: https://www.dawn.com/news/1373182/tly-chief-khadim-rizvi-orders-followers-to-end-sit-ins-across-country-after-govt-gives-in-to-

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