Versuchen, Scheitern und wieder Aufstehen

In Kabul führte ich ein Cafè, doch leider hatte viele Gegner beim Versuch über mein Leben selbst zu entscheiden. Als neue Autorin beim Horizont werde ich viel über meine Heimat Afghanistan berichten und vor allem über die Perspektive der dort lebenden Frauen.

Dieser Artikel ist in der August/September-Ausgabe zu finden.

Ich wurde am 19.12.1992 in Kabul, Afghanistan, geboren und lebte dort mit meinen Eltern, fünf Schwestern und meinem kleinen Bruder. 24 Jahre meines Lebens habe ich in verschiedenen Ländern wie dem Iran, Pakistan und Afghanistans verbracht. In Afghanistan lebte ich in verschiedenen Provinzen und besuchte die Naswan-Oberschule in der Provinz Bamyan. Mit all ihren historischen Stätten zählt sie zu den sichersten Provinzen Afghanistans und zur schönsten Gegend, die ich je kennengelernt habe.

In Afghanistan habe ich in vielen Bereichen gearbeitet, um unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln.

Ich habe mein Bachelor-Studium im Jahr 2015 im Bereich Journalismus an der Universität Rana in Kabul begonnen. Dort hatte ich die Möglichkeit, als Grundschullehrerin an einer der privaten Schulen in Kabul Teilzeit zu unterrichten und erhielt glücklicherweise ein Zertifikat als beste Lehrerin der Abteilung in dieser Schule. Dann habe ich mich dazu entschlossen, hart zu arbeiten, um mehr Erfahrungen zu sammeln. Also habe ich angefangen, ein Jahr lang in einer der Privatkliniken in Kabul als Arzthelferin in der Chirurgie zu arbeiten.

Dann wollte ich eine gute Flugbegleiterin sein und bekam einige kurze Trainings und Einweisungen über die Arbeit bei einer Fluggesellschaft. Ich wusste jedoch, dass ich mit vielen Problemen kämpfen muss, um als Flugbegleiterin zu arbeiten. Manche Männer in Afghanistan wollen überhaupt nicht, dass Frauen arbeiten und besonders bei Flugbegleiterinnen zeigen sie wenig Respekt. Trotz dessen habe ich zwei Jahre lang als Flugbegleiterin bei Aryana Afghan Airline gearbeitet. So konnte ich in einige Länder reisen, um noch mehr persönliche Eindrücke zu sammeln.

Gleichzeitig besuchte ich verschiedene Programme und Kurse, unter anderem: Leadership and Management; Afghanistan Association of Electoral Officials; ein Ministerium für Frauen der Japan International Cooperation Agency; das „Afghan Youth Voice Festival“; Internationale Stiftung für Wahlsysteme (IFES) und das Afghanistan Rehabilitation & Bildungs-Programm (AREP).

In der Provinz Bamyan habe ich letztes Jahr noch einen Kindergarten besucht.

Nach alldem wollte ich mich selbständig machen, um ein Café im Zentrum von Kabul einzurichten. Für mich als junge Frau war es jedoch nicht so einfach, ein Café zu eröffnen. Trotzdem gab ich mein Bestes und arbeitete hart, um mein eigenes Geschäft zu führen. Von den umliegenden Händlern und der Gesellschaft insgesamt gab es jedoch keinen freundlichen Empfang für meinen Laden. Mehrmals habe ich meine Idee und das Cafè im nationalen Fernsehen und Radio verteidigt und beworben. Trotz aller Hindernisse habe ich es geschafft Tabus zu brechen, indem ich in der afghanischen Hauptstadt ein Café, gegen die Regeln der Taliban und des IS, eröffnet habe. Ich tat dies auch, um anderen Mädchen meines Landes den Weg zu ebnen, aber leider wollten einige Leute und Organe nicht, dass ich einfach so arbeiten gehen kann. Denn in Afghanistan sollen Mädchen oftmals nur Haus- und keine Geschäftsfrauen sein.

Nach einigen Anfeindungen habe ich beschlossen, nicht mehr zu arbeiten und meine Heimat, mit all den vielen Hoffnungen, die ich hatte, zu verlassen. Jetzt lebe ich in Chemnitz und habe neue Hoffnungen: Ich möchte als Journalistin arbeiten und eines Tages auch wieder ein Café in Deutschland eröffnen.

Wenn die Leute an Afghanistan denken, haben sie nur Chaos und Krieg im Kopf. Ich denke aber auch an die Schönheit in Bamyan.

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