Warum ich Chemnitz verlasse…

Trotz vieler Freunde werde ich in eine andere Stadt ziehen. Für ein selbstständiges Leben möchte ich einfach gern arbeiten gehen.

Dieser Artikel ist in der Juli-Ausgabe zu finden.

Als ich im November 2016 in Deutschland ankam, war ich sechzehn Jahre alt. Einen Monat später lebte ich bei einer Pflegefamilie in Frankenberg. Ich dachte diese Familie könnte mir viel bei der Integration helfen. Leider waren alle sehr beschäftigt, weil die Familie in der Landwirtschaft arbeitete. Auch bei der Sprache konnte mir die Familie wenig helfen. Im Januar 2017 besuchte ich einen Alpha-Kurs in Mittweida. Ansonsten hatte ich keinen Kontakt zu anderen Personen. Ein Jahr lang fühlte ich mich einsam und sprach nur sehr wenig deutsch.

Als ich im letzten Jahr volljährig wurde, zog ich direkt nach Chemnitz. Hier wohnten bereits andere Menschen aus Eritrea und ich hatte nach kurzer Zeit viele Kontakte. Im Integrationskurs waren zwar viele Personen, die arabisch oder persisch gesprochen haben, aber in meiner Freizeit traf ich viele Freunde. Sie halfen mir schneller die Sprache zu lernen. Ich konnte den B1-Kurs beenden und mein Leben ist heute viel besser als in Frankenberg. Es gibt hier auch viele nette Sozialarbeiter, die bei Problemen helfen. Wenn mich hier Leute beleidigen und sagen „Hau ab“ oder „Scheiss Schwarze“, dann lache ich. Sie kennen mich nicht und wissen auch nichts über das Leben in Eritrea. Dieser Dummheit schenke ich gar keine Antwort. Außerdem passierte es zum Glück nicht oft.

Nach dem Sprachkurs habe ich viele Bewerbungen geschrieben. Ich wollte zuerst ein Praktikum in der Altenpflege, als Friseurin oder Verkäuferin machen. Aber entweder bekam ich keine Antwort oder Absagen. Ich möchte aber gern arbeiten und mein Leben selbst finanzieren. Meine beste Freundin wohnt in einer kleinen Stadt in Bayern und hatte einen Kontakt zu einem Restaurant. Wir machten ein Termin für ein Vorstellungsgespräch. Jetzt kann ich im August anfangen dort zu arbeiten.

Ich freue mich zwar in die Stadt meiner Freundin zu ziehen. Ich wäre aber auch gern in Chemnitz geblieben. Hätte ich eine Chance für einen Job bekommen, würde ich nicht wegziehen. Mein Plan für den ersten Urlaub ist es, wieder nach Chemnitz zu reisen, damit ich all meine Freunde besuchen kann.

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