Gegen die Wurzel der Tyrannei

Im Iran betrieb ich mit anderen JournalistInnen einen Blog, der die Regierung kritisierte und sich für Frauen einsetzte. Später bekamen wir deshalb Probleme mit der Religionspolizei.

Ich bin Nazan Hamedi, eine Journalistin aus dem Iran und besuche im Moment einen Integrationskurs in Chemnitz. Bei meinem alten Arbeitgeber war ich über fünf Jahre für die Ressorts Politik und Kultur zuständig.

Der Azadi-Turm in Teheran wurde von einem Architekten aus Frankreich entworfen und ist ein Symbol der Freiheit. Mehrere Versuche des Mullah-Regimes, das Denkmal abzureissen, sind bislang gescheitert.

Journalistin ist ein schwieriger Beruf im Iran, denn in meiner Heimat gibt es keine Redefreiheit für Reporter. In meinen Jahren als Journalistin habe ich viele glückliche und traurige Momente erlebt. Doch ohne die strenge staatliche Zensur konnte ich im Iran nichts schreiben. Politische Nachrichten oder Ereignisse in der Gesellschaft müssen in Übereinstimmung mit dem Gesetz geschrieben werden. Meiner Meinung nach ist das Verbot von Meinungsfreiheit gleichbedeutend mit der Inhaftierung von Journalisten, denn beide Methoden beenden die Arbeit der Presse.

Mein Chef hatte viel Angst um mich, denn neben der Arbeit für die Zeitung schrieb ich für einen Blog. Ich setzte mich für Frauenrechte und gegen die Regierung ein. Ich sagte mir: „Du bist eine Frau und Journalistin. Du musst etwas gegen die Ungerechtigkeit tun!“ Ich wollte den Iran nicht verlassen, aber ich musste, als wir von der Religionspolizei wegen meiner Arbeit bedroht wurden.

Religiöse Vorschriften für die Bekleidung Frauen prägen das öffentliche Bild.

Außerdem hat heute für mich der Status der Frau im Iran eine grausame Stufe erreicht. Die Statistiken über Gewalt gegen Frauen, die hohe Zahl bei sexuellen Belästigungen und die rechtliche sowie gesellschaftliche Ungleichheit zwischen Mann und Frau zeigen die Unfähigkeit der aktuellen Regierung.

Es gibt tausende Gründe für eine Flucht aus dem Iran. Viele Wissenschaftler, Ökonomen und Prominente mussten ihre Heimat bereits durch den Druck der Regierung verlassen. Dies ist die schmerzhafte Geschichte der Millionen IranerInnen, die gezwungen sind, fern von ihrer Kultur und Heimat zu leben.

Ich hoffe, dass in nicht allzu ferner Zukunft die Wurzel der Tyrannei und des Despotismus auf der ganzen Welt versiegt und die Menschlichkeit überall auftauchen wird. Ich hoffe, dass eines Tages alle Auswanderer, die gezwungen wurden, ihr Land zu verlassen, frei in ihre Heimat zurückkehren können.

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