Bitte erst kennenlernen und dann urteilen

In meiner Heimat Eritrea habe ich bis zu meinem zwanzigsten Geburtstag gelebt, aber ich hatte dort keine Chance auf ein Leben in Freiheit. Als ich in Deutschland ankam, habe ich mich sehr gefreut. Denn es ist ein Land, indem die Menschen mehr Rechte und Freiheiten haben. Damals dachte ich gar nicht daran, dass mir hier etwas Negatives passieren kann.

Als ich in einem Camp für Flüchtlinge in Chemnitz wohnte, habe ich schon vor dem Integrationskurs angefangen Deutsch zu lernen. Dadurch bin ich beim Integrationskurs mit dem Niveau A2 gestartet. Nach acht Monaten in der Schule konnte ich mit dem Sprachniveau B2 abschließen. Über ein Angebot des Jobcenters war ich einen Monat lang in einer Maßnahme, die verschiedene Berufe vorstellte. Das Programm hat mir geholfen meinen Weg zu finden. Wir besuchten verschiedene Firmen und konnten uns entscheiden, was wir in unserer Zukunft machen wollen. Ich entschied mich dafür als Altenpfleger zu arbeiten. Nach einem erfolgreichen Praktikum in einem Pflegeheim, durfte ich dort als Altenpflegehelfer arbeiten. Ich hoffe jetzt, dass meine Zeugnisse aus Eritrea bald anerkannt werden, damit ich 2020 meine Ausbildung zum Altenpfleger beginnen kann.

Leider merkte ich während der Arbeit auch das erste Mal, dass es Diskriminierung in Deutschland gibt. Es gab einige Kollegen, die nicht mit mir sprechen wollten. Einmal fragte ich eine Kollegin, ob sie mir bei der Dokumentation helfen kann. Aber sie reagierte überhaupt nicht auf mich, obwohl ich freundlich gefragt habe. Ich konnte mir das nicht erklären. Als manche Personen im Dienst gar nicht mit mir sprechen wollten, wurde mir klar, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Ich wurde einfach diskriminiert. Mit den älteren Bewohnern des Heimes hatte ich gar keine Probleme. Alle waren sehr freundlich und höflich zu mir. Ich kann es akzeptieren, wenn sehr kranke und alte Bewohner unfreundlich sind, da es ihnen wirklich schlecht geht. Aber unter Kollegen hatte ich kein Verständnis dafür. Kurze Zeit danach wurde ich grundlos gekündigt. Weder mein Chef noch die Kollegen konnten mir sagen, was ich falsch gemacht habe oder warum ich gehen musste.

Als ich nach Deutschland kam, hatte ich gar nicht daran gedacht, dass es hier Rassismus oder Diskriminierung geben könnte.

Mittlerweile habe ich meinen Arbeitgeber gewechselt und bin sehr zufrieden. Alle Kollegen dort sind sehr nett zu mir. Dadurch habe ich auch mehr Motivation jeden Tag in der Arbeit alles zu geben. Auch wenn ich dort erst einige Wochen tätig bin, bin ich sehr glücklich. Denn die gute Beziehung zu den Kollegen ist für mich am wichtigsten.

Ich verstehe bis heute nicht, warum Leute etwas Schlechtes in mir sehen. Für mich wäre es natürlich besser und einfacher in Eritrea zu leben. Dort spreche ich die Sprache perfekt und kenne mich aus, aber dort gibt es keine Möglichkeit auf ein freies Leben. Deswegen bin ich nach Deutschland gekommen. Wie können mich Leute hassen, wenn ich nichts falsch gemacht habe und mich anstrenge mich zu integrieren?

Besonders Leute mit schwarzer Hautfarbe werden negativ angeschaut. Als ich letztens in einen Bus eingestiegen bin, haben alle Frauen ihre Handtaschen auf die andere Seite gepackt und ihre Arme darübergelegt. Eine junge Frau hat sogar ihren Rucksack nach vorne gedreht. Die Frauen hatten Angst vor mir. Für sie bin ich ein Dieb, obwohl sie nicht wissen wer ich bin und was für einen Charakter ich habe. Ich möchte, dass eine Person mich zuerst kennenlernt. Dann kann sie gern entscheiden, ob sie mich mag oder nicht.

Ich lebe hier, weil ich keinen Stress und keine Probleme mehr möchte. Meine Geschichte habe ich hier aufgeschrieben, damit die Leute vielleicht ihr Denken etwas verändern. Ich wünsche mir, dass sie zuerst daran denken, dass wir alle eine eigene Persönlichkeit haben.

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