Einsatz für Gleichberechtigung Aller – Das „Information center for LGBTIQ* refugees“

Ein Projekt in Chemnitz hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen sämtlicher sexueller Orientierung zu unterstützen. Gerade Geflüchtete, die nicht heterosexuell sind, werden oft diskriminiert. Sowohl in der hiesigen Gesellschaft als auch innnerhalb Communities fällt es ihnen daher schwer offen darüber zu sprechen.

Als ich im Jahr 2016 ein Paar aus dem Irak kennenlernte, waren beide sehr verzweifelt. In den Flüchtlingscamps hatten beide noch ihre Homosexualität verheimlicht, aus Angst vor Gewalt gegen sie. Doch auch als beide eigenen Wohnraum in Chemnitz hatten und ihre Beziehung öffentlich machten, war ihre Situation sehr schwierig. Andere Araber hatten sie bereits mehrmals bedroht und einmal wurden sie sogar in einem Bus an der Zentralhaltestelle attackiert. Sie wollten anschließend nur noch die Stadt verlassen.

Der Christopher Street Day 2019 in Chemnitz fand großen Anklang. Bereits zum siebten Mal setzten sich die TeilnehmerInnen für die Gleichberechtigung aller Menschen ein.

Im gleichen Jahr gründete sich auch das „Information center for LGBTIQ* refugees“. Es ist ein Projekt, das dem Netzwerk “queer refugees” angehört. „Wenn wir daran denken, dass global circa zwischen 5 und 10 Prozent aller Menschen keine heterosexuelle Orientierung haben, dann war das einfach notwendig.“, erklärt Kevin Fiedler, der aktuell für das Projekt aktiv ist. „Auch wir haben von vielen homophoben Anfeindungen in den Heimen gehört. Auch von extremen Fällen, in denen physische Gewalt angewendet wurde.“

Der LSVD e.V. informiert im Stadthallenpark über dessen Arbeit.

Neben der Aufklärung unter den Geflüchteten ist das Netzwerk auch bei den Behörden in Sachsen aktiv, um die MitarbeiterInnen dort für das Thema zu sensibilisieren. „Es gibt zwar schon Gewaltschutzkonzepte in den Unterkünften für AsylbewerberInnen, aber diese werden zu selten eingehalten.“, erläutert Fiedler. Gerade, weil für diese Menschen die Gefahr besteht, mehrfach diskriminiert zu werden – sowohl aus rassistischen als auch aus homophoben Gründen heraus.

Betroffene können sich ganz einfach an das Netzwerk wenden, welches dann gemeinsam mit den Menschen Lösungen für die Probleme sucht. Daneben wird aber auch in den Räumen des „Lesben und Schwulenverbandes“ in Chemnitz auf der Hilbersdorfer Straße ein Interaktionskurs angeboten. Bei „Lets talk deutsch“ können sich alle Geflüchteten melden, die ihre Sprache verbessern wollen. Dabei sind vom Niveau A1 bis B1 alle Menschen willkommen.

Kontakt zum Netzwerk: refugee-support@lsvd.de | Hilbersdorfer Str. 74, 09131 Chemnitz

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