Chemnitz spielt in der Bundesliga

Nein, weder im Basketball noch im Fußball ist Euch etwas entgangen. Tatsächlich spielt das Cricket-Team der USG Chemnitz in der höchsten Spielklasse. Dies hat viel damit zu tun, dass Cricket in Deutschland eher selten gespielt wird. Doch Saeedullah Amarkheal und sein Verein wollen dies bald ändern.

Cricket wurde in England erfunden und über den Commonwealth in viele Nationen getragen. Seit einigen Jahren findet der Sport aber auch in Deutschland immer mehr Fans. 1990 nahm das deutsche Team erstmals beim European Cricketer Cup teil und gewann diesen sogar zwei Jahre später. Bei den Weltmeisterschaften hat die hiesige Nationalmannschaft bislang noch keine große Rolle gespielt. Doch die Cricket Abteilung der USG Chemnitz plant den Sport breiter aufzustellen: „Wir gehen viel in die Schulen und versuchen Kinder vom Cricket zu begeistern. Gerade bei den Kindern, die an anderen Sportarten kein Interesse haben und sich vorher wenig bewegt haben, konnten wir schon einige überzeugen.“, erklärt Saeedullah Amarkheal, der seit einigen Jahren für das Team spielt.

Gegründet wurde die Cricket-Abteilung der USG von Deep Prakash im Jahr 2014, der als indischer Student damals einen Club suchte. Durch seine Arbeitsstelle ist er in Chemnitz geblieben und betreut das Team bis heute. Gerade weil der Sport bislang eher unpopulär ist, habe er auch einen besonderen Reiz. Amarkheal lächelt und sagt dazu: „Wir erklären den Kindern, wenn sie heute anfangen Cricket zu spielen und gut trainieren, dann haben sie große Chance später mal deutsche Nationalmannschaft zu spielen. In vielen bekannten Sportarten wie Fußball ist dies kaum möglich, weil die Konkurrenz zu groß ist.“

Die Cricket-Abteilung der USG auf ihrem bisherigen Trainingsplatz. Das Feld wird immer wieder improvisiert auf einem Fußballfeld aufgebaut.

Gerade in Ländern wie Indien oder Afghanistan ist Cricket seit langem Nationalsport und wird frenetisch gefeiert. „Dieser Sport bringt viele Leute zusammen, gerade bei den Weltmeisterschaften. Wie beim Fußball in Europa verfolgen alle die großen Turniere. Nur beim Spiel Pakistan gegen Indien wird es manchmal aggressiver.“, erklärt Amarkheal weiter. Im Team der USG Chemnitz dagegen hat der Sport nur für Integration gesorgt. So spielen Menschen aus verschiedenen Nationen wie Pakistan, Afghanistan, Indien und Bangladesh ohne Probleme zusammen. Auch ein weibliches Team ist geplant: „Im Moment trainieren zwölf Mädchen bei uns, für die wir gerade eine eigene Mannschaft aufbauen.“

Und die Cricket-Abteilung der USG hat im nächsten Jahr eine gute Grundlage, um die eigene Qualität noch weiter zu steigern. Die Initiative „Chemnitz ist weder grau noch braun“ unterstützt das Team beim Bau eines offiziellen Spielfeldes. Laut Plan gibt es im Sommer 2020 auf der Hilbersdorfer Straße dann den ersten eigenen Trainings- und Spielplatz für Cricket in Chemnitz. Amarkheal ist sich sicher: „Gerade das Sandfeld in der Mitte des Feldes, auf dem sich Schläger und Werfer aufhalten, ist sehr wichtig. Können wir mit richtigen Bedingungen trainieren, werden sich unsere Spieler auch schnell verbessern.“

Gerade in Bernsdorf – auf oder in der Nähe der Unisportplätze – spielen im Sommer sehr viele Studierende Cricket. Der Sport ist somit auch Bestandteil des sozialen Miteinanders. Vor allem der Fairplay-Gedanke steht bei Profis und Amateuren im Mittelpunkt. Diskussionen mit dem Schiedsrichter sind zum Beispiel absolut tabu. In diesem Punkt können andere Sportarten also noch einiges vom Cricket lernen.

1 Kommentar

  • Echt super!! In Großbritannien habe ich dieses Jahr ein Spiel gesehen, es war allerdings ein T20 WM-Aufwärm-Match, aber ich habe echt Spass gehabt zuzusehen. Zuvor konnte ich den World Cup von näherem betrachten.

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