Mein Land existiert nicht mehr

Ich habe mich bislang aus den trüben Gewässern der Politik in Libyen herausgehalten. Das Leid ist inzwischen aber so groß, dass Schweigen keine Option mehr ist.

Libyens Hauptstadt Tripolis unter täglichem Beschuss.

Die Lage in Libyen hat alle Befürchtungen übertroffen. Die Mordserie geht täglich weiter, und die Zahlen der Opfer steigen kontinuierlich. Gnadenlos werden die Rechte aller Menschen verletzt. Mich beschäftigen Fragen wie: Welche Schuld treffen die dort lebenden Kinder? Warum müssen sie in andauernder Angst leben? Zwischen Tod, Entführung und Festnahme wird Ihnen jedes Recht auf ihre Kindheit verweigert. Es fehlen Ihnen die Grundlagen für ein würdiges Leben: Bildung und medizinische Versorgung. Sie tragen Lasten, die jede Belastungsgrenze eines Kindes überschreiten. Welche Zukunft haben diese Kinder? Sie schlafen mit dem Brummen der Kampfflugzeuge und Raketen, die überall fallen können. Die Gute-Nacht Geschichten erzählen von Entführung, Vergewaltigung und Tod. Und am frühen Morgen müssen sie die Ergebnisse der durchkämpften Nächte sehen. Womit haben diese Menschen das alles verdient? Woran sind diese Kinder schuld, außer in unsere Welt zu kommen?

Die menschenrechtliche Lage der Flüchtlinge, Gefangenen und Entführten ist genauso dramatisch wie die nicht vorhandene Infrastruktur. Krankenhäuser, Medikamente, Grundnahrungsmittel oder Wohnfläche sind Mangelware. In einem ressourcenreichen, aber vom Krieg geplagten, Land, gibt es aktuell nur die Wirtschaft des Krieges. Die Ressourcen im ölreichsten Land werden ausgebeutet, während die Gelder für Waffen fließen.

Wie lange soll es in Libyen so weitergehen? Warum herrschen die Regeln der Wildnis in diesem Land? Ich erhebe meine Stimme und sehe ein Ende für die Grausamkeit der einzelnen Entscheidungsträger. Menschen deren Ämter mit dem Blut der Opfer besiegelt werden. Was wird ihnen das Amt auf Kosten der lieben Menschen bringen? Die Szenerie ist gefährlich und beängstigend, während die Stimmen der Gerechtigkeit und Vernunft verschwunden sind. Ich sage laut: es ist genug!

Hintergrund:

Anfang 2019 haben Truppen des Warlords Chalifa Haftar eine Offensive gestartet, um die Hauptstadt Tripolis zu erobern. Haftar war unter Gaddafi General des libyschen Militärs, schloss sich aber nach einem Einsatz im Tschad dem CIA an, für welche er einige Jahre tätig war. Finanzielle sowie materielle Unterstützung bekommt Haftar von Frankreich; Saudi-Arabien und den vereinigten Arabischen Emiraten.

Trotz vieler ziviler Opfer, ist die Eskalation des Konfliktes in deutschen Medien kaum präsent.

Die Hauptstadt Tripolis wird im Moment von der international anerkannten Regierung von Fayez al-Serraj verwaltet. Die UNgestützte Regierung, wird außerdem politisch intensiv von der Türkei und Qatar unterstützt. Mit dieser Ausgangslage wurde Tripolis zu einem Schauplatz für einen internationalen Krieg. General Haftar stellt die Rechtmäßigkeit der gewählten Regierung in Frage. Jede Handlung der Internationalen Gemeinde für einen Waffenstillstand blieb bisher erfolglos. Zuletzt sind die Bemühungen der USA für eine Vermittlung gescheitert. Bundesaußenminister Maas besuchte im Oktober ebenfalls die libysche Hauptstadt, um zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln. Doch auch diese Bemühungen für ein Waffenembargo sind bislang ohne Ergebnis.

Die anerkannte libysche Regierung hat daraufhin ein Sicherheitsabkommen mit der Türkei abgeschlossen. Diese Tatsache führt zur weiteren Spannung zwischen der Türkei und Frankreich, welches mit seinen Truppen in großen Teilen der Sahelzone aktiv ist. Diese Spannung wird in dem Konflikt im Norden Syriens ausgetragen. In Verbindung zu dem Konflikt in Syrien wird Russland seit neuestem daran beschuldigt, Kämpfer nach Libyen zu senden. Die Festnahme von einigen russischen Kämpfern in Libyen hat dazu geführt, dass die libysche Regierung eine offizielle Erklärung von Russland dazu verlangte.

Die Angriffe der Truppen Haftars werden immer verheerender und legen Teile der Infrastruktur lahm.

Es fließen Milliarden in diesen Krieg, um geopolitische Ziele der kämpfenden Parteien zu erreichen. In der Eskalation geht es vor allem darum Ölfelder zu sichern und die Flüchtlingsrouten im Süden zu kontrollieren.

Täglich fliegen internationale Kampfflugzeuge und Drohnen über der Hauptstadt und lassen Explosionskörper runterfallen. Die Gefechte sind verheerend und zerstören komplette Straßenzüge. Aktive Panzer und sind überall in und um die Hauptstadt zu sehen. Ein Ende des Krieges ist wegen der unterschiedlichen Positionen der Konfliktparteien nicht absehbar.

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