Die längste Präsidentschaftswahl in der Geschichte Afghanistans

Die finale Entscheidung der Präsidentschaftswahlen im Land sollte eigentlich in der vierten Runde am 28. September 2019 getroffen werden. Doch es kam anders.

Die vierte Runde der Wahl begann um 7 Uhr morgens in Kabul und sollte um 15 Uhr fortgesetzt werden. Die IEC (Independent Election Comission, deutsch: Unabhängige Wahlkommission), die für die Durchführung und Überprüfung der Wahlen eingesetzt wurde, verlängerte sie jedoch auf 17 Uhr. Damit sollte eine größere Wahlbeteiligung erreicht werden.

Im Vorfeld dieser Wahl registrierten sich 18 Personen als Präsidentschaftskandidaten. Fünf von diesen Kandidaten zogen sich in allerdings den Tagen darauf aus dem Rennen zurück. An der Wahl nahmen letztendlich 13 Kandidaten teil.

Gemäß des afghanischen Wahlkalenders sollten die vorläufigen Wahlergebnisse am 19. Oktober 2019 bekannt gegeben werden. Dieses Ergebnis wurde jedoch erst mit einer dreimonatigen Verzögerung am 22. Dezember 2019 verkündet. Nach dem vorläufigen Wahlergebnis gewann Herr Ashraf Ghani Ahmadzai die Mehrheit. Viele Präsidentschaftskandidaten akzeptierten jedoch die vorläufigen Wahlergebnisse nicht und beschuldigten die IEC einer falschen Ankündigung.

Noch gibt es keinen Fahrplan für die afghanische Regierung.

Einer der Faktoren, der die Bekanntgabe der Wahlergebnisse verzögerte, war, dass einige der Informationen der biometrischen Angaben nicht mit den Informationen der Wahlkommission übereinstimmten. Daher wurde eine genauere Datenübertragung der einzelnen Wählerstimmen durchgeführt.  IEC-Sprecher Abdul Aziz Ebrahimi erklärte: „Aufgrund von Problemen bei der Übertragung der Informationen von den biometrischen Geräten an das IEC-System wurde unsere Arbeit verzögert, und daher wurden die vorläufigen Wahlergebnisse erneut verschoben.“

Der Chef der IEC namens Hawa Alaam Norestani erklärte am 18. Februar 2020 nach weiteren monatelangen Verzögerungen Ghani mit nur 50,64% der Stimmen zum Sieger. Er forderte die Anhänger von Präsident Ghani und die gesamte afghanische Bevölkerung auf dieses Ergebnis anzuerkennen. Weiter gratulierte er dem neuen und alten Präsidenten der Islamischen Republik und wünschte Ghani herzlich alles Gute für eine bessere Zukunft des Landes.

Dr. Abdullah Abdullah, ehemaliger Generaldirektor der Islamischen Republik Afghanistan und Präsidentschaftskandidat, fügte jedoch hinzu, dass die Präsidentschaftswahlen eine gescheiterte und inakzeptable Wahl seien. Er lehne die Wahlergebnisse immer noch ab und sieht sich mit einem Prozentsatz von 39,52% der Stimmen als gewählter Präsident der Islamischen Republik Afghanistan. Deshalb plant Abdullah nun seine eigene Regierung aufzustellen.

IEC-Chef Norestani sagte, dass die Äußerungen von Herrn Abdullah keine Auswirkungen auf die afghanische Regierung und das afghanische Volk haben würden. Außerdem gab Norestani an, dass das afghanische Volk offiziell seine Unterstützung für Herrn Ashraf Ghani erklärt habe. Dadurch, dass sich aktuell zwei Kandidaten als rechtmäßige Sieger der Wahl erklärt haben, sind weitere politische Krisen vorprogrammiert. Unter diesem Streit wird vor allem die Bevölkerung leiden, die in diesen chaotischen Zuständen im Land eine geschlossene Regierung dringend benötigt. Den Taliban-Führern, die weiter ihren Einfluss verstärken, dürfte dieser Konflikt in die Hände spielen. Vor allem weil neue Verhandlungen über die Zukunft des Landes zwischen den USA und den Taliban kurz bevorstehen.

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