Wie das Miteinander funktionieren kann – Teil 1

Das Hauptanliegen dieses Textes ist es, kurz zu erläutern, welche Probleme die Einheimischen und die Geflüchteten in Chemnitz durch die Aufnahme von Flüchtlingen haben. Es ist eine kurze Erläuterung der Möglichkeiten, wie man Konflikte vermeiden und gemeinsam zum Wohle dieser Gesellschaft arbeiten und zu einer Vorbildstadt für den Rest Deutschlands werden kann. 

Ich bin 25 Jahre alt und pakistanischer Staatsangehöriger. Ende 2017 habe ich meine Universitätsausbildung (im Tourismus- und Hotelmanagement) abgeschlossen. Kurz nach Abschluss des Studiums arbeitete ich für acht Monate als Dozent an der Universität, an der ich zuvor studiert hatte. Es waren mindestens 16 Jahre Bildung, harte Arbeit, berufliche Kontakte, Teilnahme als Freiwilliger in verschiedenen NGO’s und Beteiligung an fast jeder öffentlichen Veranstaltung in meiner Stadt notwendig, um Anerkennung zu erhalten.

Dann bekam ich endlich einen Job, bei dem ich unterrichten durfte. Die Leute in meiner Heimat respektierten mich, weil ich positive Impulse durch meine Arbeit in die Gesellschaft brachte. An diesem Punkt in meinem Leben war ich stolz auf meine Leistung, aber plötzlich habe ich alles verloren. Im August 2018 musste ich wegen schwerer Probleme unfreiwillig mein Land verlassen. Ich wurde persönlich bedroht und konnte nicht mehr zu meiner Arbeit, die ich so liebte.

Ich brauchte einen neuen Ort, an dem ich in Sicherheit leben konnte, um mein Studium fortzusetzen oder eine Arbeit in meinem Fachgebiet zu finden. Ich beschloss, in ein anderes Land zu gehen. Aber es gab viele offene Fragen: In welches Land oder an welchen Ort sollte ich gehen? Und was werde ich dort tun? Ein alter Freund von mir lebte in Deutschland, und sagte mir, ich solle dorthin kommen. Das Land unterstütze Menschen, die Hilfe brauchen, und es braucht gleichzeitig auch qualifizierte Leute. Ohne weitere Zeit zu verlieren, kam ich im Dezember 2018 hierher und beantragte Asyl.

Du musst nach Chemnitz? Oh nein…

Nach meiner Ankunft in Deutschland wurde ich für eine Woche in Nienburg, in Niedersachsen untergebracht. Dort habe ich Asyl beantragt und wurde von dort aus dann nach Chemnitz geschickt. Leute, die ich in Niedersachsen kannte, waren besorgt um mich. Sie hatten gehört, dass Chemnitz ein Ort ist, wo Rassismus ein großes Problem darstellt. Sie sagten fast jeder dort sei gegen Ausländer, besonders gegen Flüchtlinge oder Asylbewerber. Zuerst glaubte ich das auch, weil ich zweieinhalb Monate in einem Flüchtlingslager war und keinen Kontakt zu Menschen hatte, die dieses Vorurteil hätten entkräften können.

Danach bekam ich einen Wohnheimplatz und einen Sprachkurs. Es gab anfangs viele Dinge, von denen ich nichts wusste. Ich sprach Leute auf Englisch an, und alle hielten sich fern von mir. Einige hörten mir zwar zu, aber danach sagten sie: „Entschuldigung” und gingen weiter. Nicht nur auf der Straße, sondern auch in Geschäften. Auf öffentlichen Plätzen war fast niemand außer anderen Ausländern und der Polizei bereit, mit mir zu reden und mir zu helfen. Ich wurde sehr traurig und zog zu diesem Zeitpunkt den Tod dem Leben vor. Jedes Mal hatte ich das Gefühl von den Einheimischen beleidigt zu werden oder als minderwertig angesehen zu werden, wenn ich versuchte mit Ihnen in Kontakt zu treten. Die Zeit verging weiter und ich hatte zudem keine Möglichkeit das Internet zu nutzen. Ich benutzte zu dieser Zeit immer öffentliche W-Lan-Netze (in Läden im Stadtzentrum zum Beispiel), wo ich mir viele Videos über Chemnitz und die deutsche Sprache anschaute. Im Laufe der Zeit habe ich erfahren, dass die Mehrheit der Menschen in Chemnitz keine Rassisten sind. Dennoch gibt es einige Gründe für diesen Ruf. Und einige davon habe ich auch persönlich erlebt…

Sprache als Barriere

Kommunikation spielt eine wichtige Rolle für das gegenseitige Verständnis. Dabei können alle Formen der Kommunikation (Sprache, Zeichen oder Gesten etc.) von Bedeutung sein. Je klarer und unmissverständlicher die gegenseitige Kommunikation ist, desto stärker ausgeprägt ist auch das gegenseitige Verständnis. Wenn eine Person beispielsweise Japanisch spricht und andere nur Englisch, dann brauchen sie für das gegenseitige Verständnis genügend Zeit. Eine andere Lösung wäre, dass einer von ihnen die Sprache des anderen lernt. Auch wäre es möglich, dass beide sich mit Gesten in einer Weise verständigen, die beide verstehen können. Sollte das alles nicht der Fall sein, werden sie nicht miteinander kommunizieren können. Und wenn es keine Kommunikation gibt, kann auch kein Vertrauen entstehen. Wenn kein Vertrauen entsteht, gibt es auch kein Verständnis für den jeweils anderen. Wenn es kein gegenseitiges Verständnis gibt, entstehen Probleme.

In diesem Zusammenhang steht die Stadt Chemnitz einem weiteren Problem gegenüber. Die meisten Flüchtlinge sind nicht freiwillig in der Stadt, sondern über Zuweisungen hier gelandet. Wenn man also nicht freiwillig, sondern zufällig an einen Ort kommt, dann ist es klar, dass man sich mit der Kultur, der Sprache und der Lebensweise der Menschen nicht sofort arrangieren kann. Denn es gab keine Chance sich vorzubereiten.

Viele Chemnitzer beklagen sich, dass die ausländischen Studenten völlig anders sind als die Flüchtlinge. Sie beklagen, dass die ausländischen Studierenden im Vergleich zu den Flüchtlingen besser integriert sind und sich mehr an die Regeln halten. Ja, vielleicht haben sie Recht. Aber diese Studenten planten im Voraus hierher zu kommen. Sie hatten bereits eine Vorstellung von den meisten Dingen, die hier geschehen. Es war ihre Entscheidung, hier zu studieren. Einige haben vorab schon vielleicht ein oder zwei Jahre lang Sprachkurse besucht und haben sich in entsprechenden Beratungsstellen viele Informationen eingeholt. Ich möchte nochmal betonen, dass wir Flüchtlinge wie die ausländischen Studenten Menschen sind. Nur für die meisten von uns gab es keine Möglichkeiten sich langfristigen vorzubereiten, in ein anderes Land zu gehen. Wir mussten gehen. Deshalb müssen wir die entsprechenden Dinge nachholen, das braucht Zeit.

Hintergründe der Flucht

Manche Menschen in Chemnitz sind der Meinung, dass es keinen Krieg oder eine Bedrohung für Menschen gibt, die Asyl beantragt haben. Einige fragen sich, warum Menschen aus Ländern, die sich nicht im direkten Kriegszustand befinden, wie z.B. Tunesien, Pakistan, Afghanistan oder Indien nicht in ihre Länder zurückkehren. Das sind alles sehr häufige Themen in den Debatten. Und ja, natürlich bestehen Unterschiede zwischen Ländern, in denen Krieg herrscht und Ländern, in denen einzelne Personen verfolgt werden. Aber wir können nicht die kompletten Lebensumstände von diesen Menschen einschätzen und beurteilen. Zum Beispiel lässt sich nicht sagen, dass alle Menschen in Afghanistan bleiben können – nur weil afghanische Politiker und andere Leute der Elite (wie höhere Beamte oder Geschäftsleute) dort glücklich und sicher leben.

Einige Deutsche sagen: “Kriege und Gewalt sind nur eine lahme Ausrede. Sie sind zum Vergnügen und für die Sozialhilfe hierhergekommen”. Manchmal herrscht in einem Land Krieg, einige Menschen verlassen das Land, aber viele bleiben aus bestimmten Gründen dort, vielleicht bekommen sie keine Chance zur Flucht und wieder andere hoffen auf eine Verbesserung der Situation. Genau darauf hoffen alle Flüchtlinge, die aus Ländern kommen, in denen kein Krieg herrscht. Es ist im Grunde genommen auf persönlicher Ebene dasselbe, wenn andere Migranten für eine bessere Arbeit und ein besseres Leben in ein anderes Land gehen. Wenn wir zum Beispiel Menschen aus Spanien oder anderer europäischen Nationen betrachten, die für gute Arbeit nach Deutschland kommen. Würde diese Menschen jemand fragen: „Warum arbeitet ihr nicht in euren Ländern? Gibt es nicht auch sehr reiche Menschen bei Euch?“

Ein weiteres Hindernis sind Vorurteile. Besonders für Menschen mit muslimischen Namen, anderer Haut-/Haarfarbe oder Kleidung. Speziell für muslimische Frauen, die einen Hijab tragen oder ihren Kopf bedecken. Aber wenn die Kopfbedeckung nicht gegen das deutsche Gesetz verstößt (z.B. wenn das Bedecken des Gesichts aus Sicherheitsgründen oder Gründen staatlicher Neutralität verboten sind) sollte eine Person das tragen, mit dem sie sich besser fühlt. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es keine Freiheit der Gedanken und des Lebensstils. Natürlich können sich Ansichten auch verändern, aber das es dauert etwas länger. Denn Menschen werden sehr schnell angezogen, wenn sie selbst in einer Sache einen Nutzen sehen und sich dafür entschieden haben. Aber wenn man Personen schnell zu einer Veränderung zwingt funktioniert es nicht. Selbst wenn es ein gutes Essen ist, wird man dazu gezwungen erscheint es wie ein Gift. Wenn diese Frauen also Erleichterung in der westlichen Kultur finden, werden sie diesen Lebensstil freiwillig annehmen.

In der Fortsetzung des Artikels wird es um weitere Vorurteile gegenüber Geflüchteten und Lösungsvorschläge für ein Miteinander gehen.

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