Schuldig oder verschuldet?

Vor einigen Wochen war ich im Gespräch mit einem Mitarbeiter vom Sozialamt. Der Mann erklärte mir, dass viele Leute aus Eritrea bereits im jungen Alter Schulden haben. Die Geldbeträge wären eher klein, aber es ist betrifft viele Leute. Er fragte mich, ob ich weiß, woran das liegt.

Ich begann mir Gedanken darüber zu machen. Natürlich spielt die Sprache eine große Rolle. Leute, die nicht auf Briefe reagieren verstehen von Anfang an deren Inhalt nicht. Es gibt große Unterschiede innerhalb der deutschen Sprache. Das bürokratische Deutsch verstehen viele Menschen nicht. Vielleicht wäre es besser, wenn die Briefe für Menschen, die neu im Land sind, in einfacher Sprache geschrieben werden.

Ein Problem beim Sprachkurs ist, dass Personen manchmal nur in der Schule deutsch lernen. Das sind nur drei bis vier Stunden Unterricht am Tag. Die Sprache lernt man aber gerade im Alltag in der Praxis. Ohne Kontakte zu Einheimischen ist das schwer – es gibt aber auch dann Möglichkeiten. Zum Beispiel das Sprachencafè im Haus der Kulturen.

Foto: Alice Pasqual

Mein Tipp: Ich kenne einige clevere Leute, die viele Filme angeschaut oder deutsches Radio zu Hause gehört haben. Das hat ihnen sehr geholfen die Sprache wirklich zu verstehen. Bis jemand die Sprache versteht, muss sich die Person manchmal Hilfe suchen. Wer zu schüchtern ist, kann dafür gern mit einem Freund gehen, der vielleicht schon etwas besser deutsch spricht. Denn es gibt viele Beratungsstellen in Chemnitz, also können die Menschen auch diese Hilfe nutzen. (Zum Beispiel durch Sächsischer Flüchtlingsrat e.V., AWO Chemnitz, AGUIA e.V. oder Caritas)

Ein anderes Problem ist, dass manche Leute schon auf der Flucht Schulden gemacht haben, weil sie sich Geld leihen mussten oder erpresst wurden. Wenn sie in Deutschland sind, wollen manche Schmuggler sofort das Geld. Leute bekommen dann Anrufe, dass Geschwister, die noch in Lybien oder im Sudan sind, getötet werden, wenn die Schulden nicht gezahlt werden. Diese Drohungen sind real. Deshalb versuchen die Leute schnell das Geld zu sammeln – an sich selbst können sie dann nicht denken.

Und ja, es stimmt: manche müssen einfach ihre Familien unterstützen und schicken Geld ins Ausland. Es ist natürlich wichtig der Familie zu helfen, aber wenn sie es nicht zum Überleben brauchen, sollten die Leute auch an sich denken. Zuerst müssten sie ihr eigenes Leben in Deutschland organisieren und dann versuchen zu helfen. Wenn sie den Integrationskurs besuchen und eine Arbeit finden, können sie die Familie mit viel mehr Geld besser unterstützen. Auch wenn das mehr Zeit kostet, ist es auf lange Sicht die bessere Lösung. Denn Schulden bringen nur mehr Probleme, am Ende könnten die Leute sogar ins Gefängnis.

Ich höre viele Leute sagen, es gäbe in Chemnitz keine Arbeit für sie. Aber es liegt auch manchmal daran, dass die Leute die Sprache nicht genügend gelernt haben. Denn wenn ich im Internet suche, sehe ich viele freie Stellenanzeigen. Mein Arbeitsleben begann auch mit einem Praktikum, in dem ich viel gelernt habe. Um danach eine Vollzeitstelle zu finden, kann man auch diesen Weg gehen. Nach vorne schauen und nicht nur auf Fehler der Vergangenheit – nur so können wir uns weiterentwickeln.

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