Alltag nach dem Lockdown

Oft sind es die Schwächsten, bei denen die Corona-Pandemie besonders Spuren hinterlassen hat. Wie in allen Ländern und Völkern, sind die, die vorher schon gelitten haben, noch stärker betroffen. Deswegen haben wir uns bei Geflüchteten in der Region umgehört, wie sie die letzten Monate durchlebt haben.

Grafische Darstellung einer Atemschutzmaske als Grafitti an eine Wand gesprüht. Daneben steht Covid-19 geschrieben.
Foto: adamsky1973 via Unsplash

Diese Krise hat Spuren auf wirtschaftlicher, politischer und gesundheitlicher Ebene hinterlassen. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir alle mit der Pandemie und deren Folgen zu kämpfen haben. Doch der Virus weckte auch viele Menschen aus ihrer Lethargie und erinnerte sie an die Notwendigkeit ihrer Existenz und ihres Lebens. Die Zeit erinnert uns an Familie, an Gottes Gnade, kurz: an alles Existenzielle. In diesem Zusammenhang hatte ich Treffen mit einigen Geflüchteten und Migranten, um über die persönlichen Auswirkungen von Corona zu sprechen.

Unser erstes Treffen war mit Salah Abdel Salam. Wir fragten zunächst, wie er die Pandemie durchlebt hat: „Natürlich hat Corona bei jedem Spuren hinterlassen, und niemand hat es verschont. Meine Sorge um mein Leben und das meiner Familie hat mich in ständige Angst und Entsetzen versetzt. Wir haben den Ausgang eingeschränkt und mehr als zwei Monate zu Hause verbracht. In diesen zwei Monaten war Corona das einzige Thema, über das wir gesprochen haben.  Darüber hinaus wurden alle Schulen und Arbeitsplätze geschlossen.“

Und was sind deine Träume, sobald wir die Pandemie kontrollieren können?

 „Mein Traum ist es, dass Gott uns vor diesem Unglück beschützt und dass das Leben wie zuvor und besser zurückkehrt und dass den Geflüchteten die Möglichkeit gegeben wird, ohne Schwierigkeiten und Nöte Arbeit zu finden. Außerdem hoffe ich, dass der Staat Vorsichtsmaßnahmen trifft und die Erfahrung von Corona nutzt, da viele Dinge wie Desinfektionsmitteln und Masken Mangelware waren und wir nach Alternativen suchen mussten, die wir selbst in unseren Häusern herstellen.“

Mohamed Abdel-Hakim erzählte uns: „Corona beeinflusst auch meine persönliche Arbeit. Denn ich arbeite für einen Automobilkonzern. Aber wegen der Pandemie hatten wir weniger Aufträge und die Arbeit wurde eingestellt.  Es ist wahr, dass ich noch einen Teil meines Lohns bekomme, aber es ist viel weniger als zuvor. Gerade weil der Preis für Miete, Nebenkosten und Essen gleich teuer geblieben ist. Deswegen ist es für mich ein finanziell großes Problem, dass ich bis zu diesem Moment wegen Corona nicht zur Arbeit zurückkehren kann.“

Für mich persönlich war besonders der Beginn der Corona-Pandemie eine Zeit der Panik. Diese Phase war eine Quelle meiner ständigen Angst und meiner Gedanken. Immer wenn ich Halsschmerzen oder Kopfschmerzen bekam, dachte ich zunächst, dass es sich um Corona handelt. Dann ging ich sofort in ein separates Zimmer, um meine Kinder nicht anzustecken. Doch wenn ich aus dem Schlaf aufwachte und mich besser fühlte, dann war auch ich wieder beruhigt und ich begann, die Zeit produktiv zu nutzen.

Foto: Mylene2401 via Unsplash

Ich habe mich dann für einen Computerkurs angemeldet. Dieser wäre ein wichtiger Kurs für meine journalistische Arbeit gewesen, denn dort hätte ich gelernt, selbst Videos zu erstellen und zu bearbeiten. Ich hatte drei Tage am Kurs teilgenommen, schon wurde dieser wegen Corona abgebrochen. So ging diese Chance leider verloren. Es gibt noch viele weitere Probleme, die Corona in unseren Empfindungen und in den Herzen unserer Kinder hinterlassen hat, denen die Schule und das Spielen entzogen wurde. Sie mussten lange Zeit in den Häusern bleiben, in denen sie nicht wie gewohnt spielen und sich austoben konnten. Es wird sicher noch eine Weile dauern, bis wir das alles verarbeitet haben. Doch Menschen sind Meister der Anpassung und als solche werden wir auch diese Krise überstehen.

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