Horizont verbindet – Freude nach 28 Jahren

Dank meines Artikels, der in der März-Ausgabe unseres Magazins veröffentlicht wurde, habe ich mit einem Studenten, von dem ich seit 28 Jahren nichts mehr gehört habe, wieder Kontakt geknüpft. Das Leben ist voll interessanter Ereignisse.

Meine Geschichte, die viele von euch gelesen haben, ist sehr traurig. Trotzdem bietet mir das Leben manchmal – wie jedem Menschen – eine positive Überraschung. Genau das ist mir geschehen. Nachdem mein Artikel veröffentlicht wurde, hatte ich nicht erwartet, eine solche Rückmeldung zu bekommen.

Was will ich erzählen? Was ist meine Geschichte? Wir gehen zurück ins Jahr 1992, ins türkische Rosenland Isparta. Während meines Studiums hatte ich angefangen freiwillig in einem Internat zu arbeiten, wo ich den Kindern bei ihren Hausaufgaben half. Viele von ihnen kamen aus Dörfern, die in unserer Umgebung lagen und sehr arm waren. Sie waren hungrig auf das Wissen und wollten sich aus ihren schweren Lebensbedingungen befreien, indem sie unsere Hilfe beanspruchten.

Ferid Küçük war einer von ihnen. Er war 12 Jahre alt, schlau und fleißig. Wir konnten uns immer in der Klasse unterhalten, zum Beispiel über die
Bedeutung des Lebens. Oder wir haben zusammen einen Zeitungsartikel
über die Menschheit gelesen und natürlich darüber diskutiert. Damit haben wir zusammen gelernt.

Zwei Freunde sitzen im Sonnenuntergang an einem Baum auf dem offenen Feld auf Campingstühlen.
Foto: Harli Marten

Zum Ende des Schuljahrs musste ich Isparta verlassen. Mit der Zeit habe ich ihn aus den Augen verloren. Wir haben nicht mehr über Briefe oder mit dem Telefon kommuniziert. In dieser Zeit absolvierte er sein Studium und dann fing er an, in der Finanzwelt der Türkei in einer wichtigen Stelle zu arbeiten.

Nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 wurde er durch das Dekret der
damaligen Regierung gekündigt. Er hatte seine Freiheit verloren. Daher
musste er, wie ich und viele andere, aus der Türkei nach Europa fliehen.
Er hatte in den Niederlanden Asyl beantragt. Und es wurde ihm zugesprochen.

Trotz der langen Jahre hatte er mich nie vergessen. An irgendeinem Tag traf er die Entscheidung mich zu finden. Er bevorzugte einen einfachen Weg, indem er über Google nach meinem Namen suchte. Als er meinen Namen eingab, fand er direkt meinen Artikel im Horizont Magazin. Dann schickte er eine E-Mail an unser Magazin. So konnten wir nach vielen
Jahren, dank unserer Zeitung, wieder Kontakt aufnehmen.

Das Leben überrascht uns immer. Trotz Trauer und Not, bietet es uns doch ein paar Momente der Schönheit.

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