Studieren in Chemnitz

Neben einer Berufsausbildung ist auch ein Studium als Weg in den Arbeitsmarkt für Viele interessant. Doch wer darf eigentlich in Deutschland studieren? Welche Voraussetzungen gibt es und wer kann bei der Studienauswahl und dem Bewerbungsverfahren helfen? Wir haben mit Jennifer Bosniatzki des „Welcome an der TU Chemnitz“[1] Projekts gesprochen, um diese und andere Fragen zu klären.

Foto: Franko B.

Grundsätzlich dürfen alle registrierten Geflüchteten in Deutschland studieren. Die Webseite des Studentensekretariats der TU Chemnitz informiert darüber, wer als registrierter Flüchtling gilt[2]. Dazu zählen Personen mit Ankunftsnachweis, AsylbewerberInnen im laufenden Verfahren, Geduldete, Asylberechtigte nach Art. 16a des Grundgesetzes, anerkannte Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigung und Personen mit Abschiebeschutz. Neben der Registrierung spielen aber auch durch den Status bedingte, rechtliche Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel eine Krankenversicherung, bei der tatsächlichen Aufnahme des Studiums eine Rolle.

Jennifer Bosniatzki ist die Koordinatorin des Projekts „Welcome an der TU Chemnitz“. Sie berät studieninteressierte und studierende Geflüchtete.

Zu den sogenannten formalen Voraussetzungen zählt die Hochschulzugangsberechtigung. Dabei wird zwischen einer direkten und indirekten Hochschulzugangsberechtigung unterschieden. Eine direkte Hochschulzugangsberechtigung liegt vor, wenn der internationale Sekundarabschluss gleichwertig mit dem deutschen Abitur ist. Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel, wenn im Herkunftsland bereits erfolgreich ein Jahr studiert wurde, hat die betroffene Person ebenfalls eine direkte Hochschulzugangsberechtigung für bestimmte Fächer.

Foto: Franko B.

Eine indirekte Hochschulzugangsberechtigung bedeutet, dass der Schulabschluss nicht sofort zum Studieren berechtigt. Dazu muss vorab ein Studienkolleg besucht werden. Die Ausbildung am Studienkolleg dauert ein Jahr und wird mit einer Feststellungsprüfung abgeschlossen. Im Studienkolleg wird ein Schwerpunktkurs belegt, der speziell auf bestimmte Studienfächer vorbereitet. Für diese kann man sich nach bestandener Prüfung bewerben.

Um ein Studienkolleg zu besuchen, sind Deutschkenntnisse auf B1 Niveau notwendig. Die einjährige Ausbildung umfasst einen Deutschkurs, mit der Feststellungsprüfung erreicht man also auch die für ein Studium notwendigen Deutschkenntnisse von C1. Es gibt staatliche, kostenlose und private, kostenpflichtige Studienkollegs.

Das Online-Portal anabin[3] informiert über die Gleichwertigkeit ausländischer Bildungsabschlüsse. Die endgültige Entscheidung in Bezug auf das Studium trifft allerdings das Bewerbungsportal uni-assist (siehe weiter unten).

Für diese kann man sich nach bestandener Prüfung bewerben. Um ein Studienkolleg zu besuchen, sind Deutschkenntnisse auf B1 Niveau notwendig. Die einjährige Ausbildung umfasst einen Deutschkurs, mit der Feststellungsprüfung erreicht man also auch die für ein Studium notwendigen Deutschkenntnisse von C1. Es gibt staatliche, kostenlose und private, kostenpflichtige Studienkollegs. Das Online-Portal anabin[3] informiert über die Gleichwertigkeit ausländischer Bildungsabschlüsse. Die endgültige Entscheidung in Bezug auf das Studium trifft allerdings das Bewerbungsportal uni-assist (siehe weiter unten).

Neben der Hochschulzugangsberechtigung sind auch Deutschkenntnisse auf C1-Niveau Voraussetzung für ein deutschsprachiges Studium. „Die meisten Studiengänge an der TU Chemnitz sind deutschsprachig“, so Jennifer Bosniatzki „da sollte man bestenfalls schon mit der Bewerbung ein C1 Niveau nachweisen können.“ Das Studentensekretariat führt eine aktualisierte Liste[4] über Nachweise deutscher Sprachkenntnisse, die an der TU Chemnitz anerkannt werden. Gängig sind dabei vor allem Zeugnisse der DSH-2, DSH-3 sowie telc Deutsch C1 Hochschule oder TestDaF Niveaustufe 4 in allen vier Teilprüfungen. Wenn zur Bewerbung erst ein B2 Niveau vorliegt, gibt es die Möglichkeit eine Zulassung zu einem kostenpflichtigen DSH Intensivsprachkurs zu erhalten.

Foto: Franko B.

Englischsprachig sind an der TU Chemnitz überwiegend Masterstudiengänge. Hier werden, je nach Studiengang, Deutschkenntnisse auf A1-Niveau bei der Immatrikulation erwartet. Bis zum dritten Semester haben Studierende dann Zeit, Deutschkenntnisse auf Niveau A2 nachzuweisen. Bei einigen englischsprachigen Masterstudiengängen ist Deutsch Teil der Ausbildung. Ist das der Fall, müssen bei der Bewerbung lediglich Englischkenntnisse auf B2 Niveau vorgewiesen werden. Auch hier informiert das Studentensekretariat über Nachweise, die von der TU Chemnitz anerkannt werden. 

Die Bewerbung an der TU Chemnitz für Studieninteressierte mit ausländischen Bildungsabschlüssen läuft über das Online-Portal uni-assist. Hier stellt der oder die BewerberIn einen Antrag mit persönlichen Daten sowie Angaben zur Bildungshistorie und lädt anschließend die notwendigen Dokumente hoch. Dazu zählen für die TU Chemnitz z.B. übersetzte und beglaubigte Kopien des Schul- oder Hochschulzeugnisses, des Transcripts of Records, Unterlagen zu etwaigen Hochschulaufnahmeprüfungen und Nachweise der deutschen Sprachkenntnisse. In der Regel sollen diese Unterlagen zudem postalisch zu uni-assist nach Berlin gesendet werden, dieser Schritt entfällt jedoch derzeit Corona-bedingt. Für die erste Bewerbung bei uni-assist sind Bearbeitungsgebühren von 75 Euro zu zahlen, für jede weitere 30 Euro. Wichtig ist, dass BewerberInnen sich an die Deadlines vom 15. Juli für das Wintersemester und dem 15. Januar für das Sommersemester halten.

Für einen Masterstudiengang müssen neben den formalen Voraussetzungen auch fachliche Voraussetzungen erfüllt werden. Nach der formalen Überprüfung der Unterlagen durch uni-assist leitet das Studentensekretariat der TU Chemnitz die Bewerbungsunterlagen anschließend zur fachlichen Überprüfung an den jeweiligen Prüfungsausschuss.  Dieser trifft dann die endgültige Zulassungs-Entscheidung. 

Das Projekt „Welcome an der TU Chemnitz“ an der Technischen Universität Chemnitz gibt es seit 2016. Es richtet sich an studieninteressierte und studierende Geflüchtete. Neben Beratungen und Informationsveranstaltungen, organisieren die ProjektmitarbeiterInnen auch ein Tandemprogramm zwischen studieninteressierten Geflüchteten und Studierenden der TU Chemnitz. Auf ihrer Webseite informieren sie zudem über wichtige Fragen zum Studium, zum Beispiel Vorbereitungs- und Finanzierungsmöglichkeiten.

Die Suche nach einem passenden Studienfach, die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse und die Bewerbung bei der TU Chemnitz können mitunter mühsam sein. Vorallem, da es für viele studieninteressierte Geflüchtete noch viele weitere Umstände, wie zum Beispiel die Finanzierung eines Studiums, zu beachten gibt. Das „Welcome an der TU Chemnitz“ Projekt bietet individuelle Beratungen an, um studieninteressierten Geflüchteten auf ihrem Weg zum passenden Studium zu unterstützen. Bestenfalls kommen Interessierte bereits mit einem Studienwunsch und übersetzten Unterlagen zur Beratung. So kann schon in der Beratung mithilfe des Online-Portals anabin eine erste, unverbindliche Einschätzung zur Hochschulzugangsberechtigung gegeben werden. Diese ist allerdings nicht rechtlich bindend, die endgültige Entscheidung liegt bei dem Bewerbungsportal uni-assist. Auch wer noch keinen konkreten Studienwunsch hat kann zur Beratung kommen und sich über die bestehenden Möglichkeiten informieren lassen.

Wer Fragen zur Finanzierung des Studiums hat, kann diese ebenfalls in der Beratung des Welcome Projekts stellen. Oftmals kann aber auch das zuständige Bafög-Amt weiterhelfen. Anerkannte Asylberechtigte, anerkannte Geflüchtete nach der Genfer Flüchtlingskonvention, subsidiär Schutzberechtigte sowie Geduldete, die seit mindestens 15 Monaten ununterbrochen in Deutschland sind, haben einen Bafög-Anspruch. Aufenthaltsgestattete haben keine Möglichkeit Bafög zu bekommen. Sie brauchen aber mitunter einen Negativ-Bescheid des Bafög-Amts, um z.B. andere Leistungen des Sozialamts zu beziehen. „Der Weg zum Bafög-Amt ist immer der erste wichtige Schritt, wenn man studieren möchte.“, so Jennifer Bosniatzki. Die Entscheidung würde letztlich sehr individuell getroffen und sei durch die vielen zu beachtenden Umstände immer eine Einzelfallentscheidung. Aber auch Stipendien sind für viele Geflüchtete eine Möglichkeit zur Finanzierung ihres Studiums. Bei der Auswahl und der Bewerbung können die BeraterInnen des Welcome Projekts helfen. Wer sich vorab schonmal informieren möchte, kann auf dem Online-Portal mystipendium.de bereits mit individuellen Kriterien suchen.

Zusätzlich zu den Beratungen organisiert das Welcome Projekt auch ein Tandemprogramm zwischen studieninteressierten Geflüchteten und Studierenden der TU Chemnitz. „Das Tandemprogramm setzt ab Interesse der Geflüchteten bis zur Immatrikulation an.“ Studierende begleiten ehrenamtlich zur Studienberatung oder helfen zum Beispiel eine Gasthörerschaft aufzunehmen. „Eine Gasthörerschaft bietet sich sehr gut an, um einen ersten Blick in den gewünschten Studiengang oder auch, um ein erstes Gefühl für das Hochschuldeutsch zu bekommen.“

Foto: Franko B.

Mit dem Tandemprogramm können Studieninteressierte schon vor der Immatrikulation Kontakt zu Studierenden bekommen. Ab der Immatrikulation können sie dann auch am Patenprogramm des Internationalen Universitätszentrum teilnehmen[5].

Jennifer Bosniatzki berichtet von positivem Feedback für das Projekt: „Die Beratung wird sehr gut angenommen, es kommen regelmäßig Geflüchtete, die sich dafür interessieren.“ Doch nicht nur das, auch andere Chemnitzer Organisationen der Flüchtlingssozialhilfe leiten studieninteressierte Geflüchtete an das Projekt weiter. Auch Geflüchtete, die ihr Studium an der TU Chemnitz bereits aufgenommen haben, kommen gerne wieder, wenn neue Fragen aufkommen. „Wenn Geflüchtete immatrikuliert sind und immer noch zum Welcome-Projekt kommen wollen, empfangen wir sie mit offenen Armen“, erzählt Frau Bosniatzki. Viele der geflüchteten Studierenden berichten von grundsätzlich positiven Erfahrungen. Das Hochschuldeutsch sei zu Beginn aber schwierig und koste sie zusätzliche Vor- und Nachbereitungszeit für Seminare und Vorlesungen. 

Unter normalen Umständen bietet das Welcome Projekt regelmäßige Sprechzeiten an. Derzeit finden Beratungen allerdings telefonisch oder online im Webroom Bigbluebutton statt. Neben den Beratungen bietet das Welcome Projekt in jedem Semester Infoveranstaltungen zu den verschiedenen Themenbereichen an. Für die Bewerbung bei uni-assist wird zudem eine begleitende Lernwerkstatt angeboten. Auch der Tag der offenen Tür der TU Chemnitz (bzw. die Virtual TUC Tage) sowie die Angebote von TU4U können interessant für Studieninteressierte sein.

Infoveranstaltungen im Wintersemester 2020/21:
2. November 2020 – 16 Uhr
„Allgemeine Informationen zur TU Chemnitz“ (General information on studying at TU Chemnitz)


23. November 2020 – 16 Uhr
„Informationen zu uni-assist“ (Applying via uni-assist)


2. Dezember 2020 – 16 Uhr
„Studienfinanzierung“ (Financing your studies)


11. Januar 2021 – 16 Uhr
„Deutsches Bildungs- und Hochschulsystem“ (German Higher Education System)

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