Gemütliches Gespräch mit BLOND

Ein kalter Herbsttag im Jahr 2020. Zwei Journalistinnen des Horizont-Magazins, Elaha und Charlotte, sind auf dem Weg zu Nina und Lotta, den Frontfrauen der fancy Band Blond aus Chemnitz. Ihre Musik ist progressiv, lässig und verdammt ehrlich. Entspannt sprachen wir bei einem warmen Tee über die Bandgeschichte, die Kulturhauptstadt 2025, ihren Podcast und
vieles mehr.

Elaha und Charlotte im entspannten Gespräch mit Zweidrittel der Formation Blond. Foto: Daniel Franz

Die drei Bandmitglieder:
Nina Kummer: Frontsängerin, spielt Gitarre, Schwester von Lotta
Lotta Kummer: sitzt am Schlagzeug, singt ebenfalls, Schwester von Nina
Johann Bonitz: spielt die Bass-Gitarre und Keyboard (eigentlich auch der Bruder von Lotta und Nina, nur eben von anderen Eltern)

Wie würdet ihr euch gegenseitig in drei Wörtern beschreiben?

Lotta: Nina ist super cool, aufgeschlossen und smart.
Nina: Lotta ist witzig, intelligent und very clever.
Lotta: (lacht) Intelligent und clever ist das Gleiche, aber egal.
Nina: Ja, okay, du siehst auch gut aus.

Wann habt ihr angefangen Musik zu machen und was waren eure Pläne zu dieser Zeit?

Nina: Wir kommen aus einer Musikerfamilie. Sowohl unsere Eltern als auch unsere Brüder waren in Bands und so war es für uns klar, dass wir das auch mal ausprobieren müssen.
Lotta: Musik war schon immer ein wichtiger Teil unseres Lebens und deswegen wussten wir auch, dass es die Möglichkeit gibt, von der Musik zu leben. Niemand hat je zu uns gesagt, dass wir das nicht ausprobieren können. Die Frage war auch nie: Möchtest du ein Instrument spielen? Vielmehr fragte man uns: Welches Instrument willst du spielen?
Nina: Es war wie ein Spiel für uns, wir haben Band gespielt. 2014 haben wir unsere ersten richtigen Songs geschrieben und 2016 unsere erste EP rausgebracht. Erst ab dem Zeitpunkt ist die ganze Bandsache richtig ernst geworden.

Warum habt ihr den Namen „Blond“ für eure Band gewählt?

Die Formation BLOND posiert in Bühnenoutfits.
Foto: Ernesto Uhlmann

Lotta: Wir haben einfach nach einem kurzen coolen Wort gesucht, das uns beschreibt.
Nina: Und Blond ist ein deutsches Wort, aber es klingt auch international. Und ja klar, wir selbst sind eben auch blond. (lacht)
Lotta: Als wir uns den Namen gegeben haben, war es mehr eine Spontanaktion nach dem Motto: Wir gründen jetzt eine Band! Wie nennen wir sie? Blond! Zum Glück ist es ein cooler Name und so können wir ihn auch heute noch nutzen.

Lotta: Wir haben einfach nach einem kurzen coolen Wort gesucht, das uns beschreibt.
Nina: Und Blond ist ein deutsches Wort, aber es klingt auch international. Und ja klar, wir selbst sind eben auch blond. (lacht)
Lotta: Als wir uns den Namen gegeben haben, war es mehr eine Spontanaktion nach dem Motto: Wir gründen jetzt eine Band! Wie nennen wir sie? Blond! Zum Glück ist es ein cooler Name und so können wir ihn auch heute noch nutzen.

Wer inspiriert euch?

Nina: Ich bin ein großer „La Fee“-Fan. Ich war zehn, als sie ziemlich berühmt war und sie war ein absolutes Vorbild für mich, weil sie ein Mädchen war, das auf der Bühne stand und gesungen hat. Durch sie habe ich realisiert, dass das natürlich auch für Mädchen möglich ist und ich wollte das Gleiche. Aber die Vorbildfunktion hatte sie nur deswegen, nicht wegen ihrer Musik. (lacht)
Lotta: Ich habe die Musik von Missy Elliot und Gossip geliebt. Die markanten und einprägsamen Bass-lines waren für mich sehr inspirierend.
Nina: Heutzutage haben wir aber kein wirklich großes Idol mehr.

Wer unterstützt euch am meisten?

Nina: Hinter uns als Band steht ein großes Kunstkollektiv, das sind Freunde von uns. Wir selber sind Teil dieses Kollektivs. Das sogenannte „Bikini Kommando“ unterstützt uns seit dem ersten Tag. Es ist an unseren Musikvideos, Fotos, unserem Merchandising und vielen anderen Dingen
beteiligt.
Lotta: Wir sind unglaublich froh, dass wir uns immer auf sie verlassen können.
Nina: Sie sind Teil unserer Crew und haben auch die Tour Anfang des Jahres begleitet.
Lotta: Aber auch unsere Familie unterstützt uns sehr, ohne sie hätten wir nie so weit kommen können.
Nina: Und nicht zu vergessen: Unsere Fans! Die „Blondinators“! Die pushen uns natürlich am meisten.

Was habt ihr während der Corona-Zeit im Frühling und über das ganze Jahr hinweg gemacht?

Nina: Wir haben ein paar Video-Clips und einen Podcast gemacht. Der hat bis jetzt schon 33 Episoden. Und wir haben live in Hamburg auf dem Reeperbahnfestival gespielt. Das war sehr seltsam, es war als würden wir vor dem Publikum vom „Schlagergarten“ spielen, es war ein Sitzkonzert. Wir hatten aber auch ein Corona-Konzert in Leipzig und das war eher so wie unsere normalen Konzerte. Weil das Publikum vor uns stand. Zwar in Gruppen und in abgegrenzten Bereichen, aber die ZuschauerInnen durften immerhin singen und tanzen.
Lotta: Die Menschen haben sich enorm darüber gefreut. Was wir an unseren Konzerten lieben, ist das Tanzen, die schwitzenden Menschen und die Mosh-Pits. In Hamburg durften wir gar nicht mit dem Publikum interagieren, dass war sehr schade. Aber die Zuschauer haben sich einfach
eigenständig daran gemacht in die Hände zu klatschen und ein bisschen mitzusingen.

Blick von der Bühne bei einem BLOND-Konzert.
Foto: Ernesto Uhlmann

Wie läuft denn der Podcast (Name: „Da muss man dabei gewesen sein“), den ihr erwähnt habt? Ich und viele meiner Freunde hören ihn regelmäßig.

Nina: Ich bin immer noch total überrascht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir eigentlich nur über Nonsens reden. Aber es schreiben uns viele Menschen, die finden, dass der Podcast total lustig ist.
Lotta: Wir haben damit begonnen ohne überhaupt zu wissen, wie lange wir das Projekt durchziehen wollen. Eigentlich war es nur als Überbrückung für die Corona-Zeit gedacht und jetzt haben wir schon über ein halbes Jahr lang immer wieder neue Folgen aufgenommen.
Nina: Und wir müssen jede Woche nach einem neuen Thema suchen.
Lotta: Aber ich liebe es. Wir sind inzwischen in einem tollen Flow.
Was ist euer größter Wunsch für Chemnitz?
Beide: Das Chemnitz (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Interviews) Kulturhauptstadt geworden ist! (es hat geklappt!!!)

Ihr lebt in Bernsdorf. Ist es das beste Viertel von Chemnitz?

Lotta: Auf jeden Fall, aber wir glauben, dass der „Brühl Boulevard“ in nächster Zeit die coolste Gegend von Chemnitz wird. Aber hier gefällt es uns sehr gut.
Nina: Besonders weil Bernsdorf ein Viertel mit vielen Studierenden und verschiedenen Kulturen ist.

Was sind eure drei Lieblingsorte in Chemnitz?

Lotta: Also auf jeden Fall das Atomino, wir lieben es, Party zu machen…
Nina: Ich mag den Zeisigwald, weil er so grün ist.
Lotta: Das können wir verbinden mit der Zeisigwaldschänke. Es ist ein großes Geheimnis, aber dort gibt es das beste Eis, dass ich je in meinem Leben gegessen habe.
Nina: Ich bin auch gerne in der Galerie Borssenanger. Und mit dabei sein muss auf jeden Fall ein leerstehendes Haus. In der Annaberger Straße gibt es ein altes Fabrikgebäude, in dem hat vor etwa zwei Jahren die ibug, eine Art Streetartfestival, stattgefunden. Jetzt steht es wieder leer und man kann die Kunst ganz für sich allein genießen. Aber das ist natürlich illegal, also pssst!

Eine kurze Frage für alle Insider, die sich schon immer gefragt haben: Wer von euch hat Randale in der Stadt gemacht?

Nina (lacht): Ich glaube, es war einfach schwierig zu singen “Meine kleinen Schwestern machen Randale in der Stadt” und deswegen blieb dann nur eine übrig. So erkläre ich mir das.
Lotta: Wir waren immer zusammen.

Was für persönliche Erfahrungen habt ihr mit Migration in eurer Familie gemacht?

Nina: Unsere Großmutter stammt aus dem jetzigen Polen. Aus dieser Gegend ist nach dem zweiten Weltkrieg ein Teil der Familie in die USA und ein anderer Teil nach Deutschland gegangen. Aber gerade vom amerikanischen Zweig der Familie weiß ich wenig, da unsere Großeltern kaum darüber gesprochen haben. Wir sind anderen Kulturen gegenüber sehr aufgeschlossen aufgewachsen. In meiner Grundschulklasse waren Kinder aus dem Iran, aus Russland, der Türkei, aus Vietnam. Toleranz war immer total normal. Deswegen hat es mich später auch schockiert, als ich mitbekommen habe, dass andere Menschen da nicht so offen sind. Dadurch wurden wir politisiert und engagiert. Ausgrenzung aufgrund unserer Herkunft haben wir selbst nie erlebt, wir sind ja ziemlich privilegiert.
Lotta: Vorurteilen sind wir zwar auch begegnet, aber das ist nicht mit der Diskriminierung oder dem Rassismus zu vergleichen, den Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder scheinbaren Herkunft erleben. Die LehrerInnen an unserer Schule haben zum Beispiel, wenn jemand in der
Pause geraucht hat, immer gedacht, dass unsere Eltern den betreffenden SchülerIinnen Kippen und Gras verkauft hätten, weil wir ja eine Künstlerfamilie sind.
Nina: Nach den Ausschreitungen 2018 wurden wir außerhalb von Chemnitz sehr oft darauf angesprochen, wie es sei in der „Nazistadt“ zu wohnen. Das ist natürlich etwas verallgemeinernd aber es ist wirklich wichtig, dass darüber geredet wird. Uns ist es ein persönliches Anliegen, dass so etwas nicht wieder passiert.

Wie international ist eure Fangemeinschaft als Chemnitzer Band mit größtenteils deutschen Texten?

Lotta: In diesem Jahr haben wir ein paar neue Fans aus Russland bekommen, das war überraschend. Und wenn wir etwas Neues posten, dann gibt es immer diesen einen Kommentar: „Come to Brazil“. Wir müssen also auch irgendwo in Brasilien mindestens einen Fan haben, aber wir wissen nicht, wer es ist. (lacht)
Nina: Ich glaube, gerade durch unsere vielen deutschsprachigen Lieder spricht der Großteil unserer Fans schon deutsch. Aber wir freuen uns immer über Nicht-MuttersprachlerInnen in der Community. Und ich habe davon gehört, dass es anscheinend in Schweden LehrerInnen gibt, die
unsere Texte und unsere Musik zur Übung im Unterricht nutzen. Und natürlich hoffen wir sehr, dass unsere gesamte Fangemeinschaft weltoffen und international ist.
Lotta: Das hier ist das erste Interview, das wir zweisprachig führen und wir hoffen natürlich, damit weltweit noch mehr Erfolge zu erzielen. (lacht)

Die Journalistinnen im Gespräch mit den Frontfrauen von BLOND.
Foto: Daniel Franz

Was macht euch glücklich im Leben?

Lotta: Wenn ich das machen kann, was ich machen will…
Nina: …und sein kann, wer ich will.
Lotta: Und dafür nicht verurteilt werde.

Chemnitz forever?

Beide: JA! Für uns ist es wichtig immer weiter zu versuchen, die bestehenden Zustände zu verbessern und hier ist unser Zuhause mit Familie und Freunden, der Ort, an dem wir uns einbringen, aber auch entspannen können.

Vielen Dank für das Interview. Es war toll mit euch zu reden.

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