Das Projekt Honarmandan – Eine Begegnung, die zwei Künstlerinnen vereinte

Das Projekt „Honarmandan – Künstlerinnen“ entstand während des Sommers 2020. Auslöser und finanzielle Unterstützung war die Förderung „Kultur.Sichtbar“ der Stadt Chemnitz. Der künstlerische Austausch läuft nun bereits einige Monate und kann auf verschiedenen Kanälen im Internet verfolgt werden.

Pariya Masoudi Moghadam illustriert das Thema Flucht.

Kennengelernt hatten sich beide 2019 beim Workshop-Format „Neustart Deutschland“ im Fortbildungszentrum Chemnitz, wo Stephanie als Live-Zeichnerin gebucht war. Pariya war Teilnehmerin und kam im Anschluss auf sie zu. Sie erzählte, dass sie auch Illustratorin sei und zeigte ihre Arbeiten. Sie lud Stephanie zu sich nach Hause ein, kochte und beide waren von ihrer Begegnung so begeistert, dass sie ausmachten, auch mit ihrer Arbeit mal zusammenzufinden. 

Jetzt, ein paar Monate später, war es also soweit. In Stephanies Atelier auf dem Sonnenberg saßen sie sich gegenüber. Pariya mit einem riesigen Blumenstrauß und vorsichtigen Fragen und Stephanie, mit ein paar losen Ideen, die sie vor Pariya ausbreitete. Pariya bat sie langsamer zu sprechen und nicht zu kompliziert. Das hatte sie völlig vergessen. Also Ungeduld bei Seite und behutsam werden!

Pariya Masoudi Moghadam sitzt an einem Tisch auf dem Blumen stehen und Zeichnungen liegen.

Beide fanden eine Ebene und überlegten sich Themen, zu denen sie von Treffen zu Treffen, von Woche zu Woche, ein Bild zeichneten. Meistens saßen sie zwei Stunden zusammen, aßen, lachten und redeten – natürlich auch viel über Sachen, die gerade anlagen. Pariya leitete im Sommer einen Workshop, bereitete eine eigene Ausstellung vor, machte einen Film als Auftragsarbeit… da ging was!

Stephanie zeigte Pariya, wie sie Rechnungen für Projekte schreiben kann und fühlte sich selbst oft wie eine Schülerin, die sich zum ersten Mal mit dem Iran beschäftigt. Es brachte sie zum Zuhören. 

Bei ihrem zweiten Treffen suchten sie sich Essen als Thema aus. Pariya und ihr Mann erzählten Stephanie dabei von den vielen verschiedenen Brotsorten im Iran und wie sie gebacken werden. Und wenn Pariya den Namen eines persischen Gerichts aussprach, nahm Stephanie ihre Worte mit ihrem Smartphone auf und übte, diese selbst nachzusprechen. Daneben unterhielten sich auch über die Geschichte und Geographie des Landes und nicht zuletzt über Pariyas Liebe zur Kalligraphie.

Stephanies ursprüngliche Vorstellungen für das gemeinsame Projekt veränderten sich mit der Zeit. Es war noch unklar, wie sie es veröffentlichen können. Wird es eine Art Tagebuch? Aus wessen Sicht? Stephanie machte einen Anfang und tippte zunächst Texte aus ihrer Perspektive für den tumblr-Blog. Bei den Instagram-Posts kam Pariya dazu, bereitete Texte zu den Zeichnungen vor, zu Themen wie Flucht oder Essen. Sie schrieb, wie Stephanie, in ihrer Muttersprache. Ihr Mann Amin übersetzte ihre Zeilen auf Englisch und Stephanie, mit Hilfe von Google, schließlich auf Deutsch.

Das Posten auf Instagram brachte neuen Drive. Stephanie entdeckte auf diesem Weg andere persischen IllustratorInnen und deren Arbeiten und beschäftigte sich weiter mit persischer Kultur. Im Rahmen der Förderung, ist das Projekt inzwischen beendet, Pariya und Stephanie haben sich dennoch entschlossen, einfach weiterzumachen – den zeitlichen Rhythmus vielleicht zu verändern, zu Themen zu zeichnen, sich Raum zu geben und zu unterstützen und zu schauen, wohin die Reise geht.

Pariya Masoudi Moghadam über sich:

Ich wurde in Ghazvin geboren, einer historischen Stadt und der Hauptstadt der Kalligraphie im Iran. Seit meiner Kindheit habe ich ein besonderes Interesse an Kunst und Design, bis heute. Meine Ausbildung verfolgte ich daher zielstrebig in diese Richtung und erlangte meinen Bachelor-Abschluss in Grafikdesign und Illustration. 

Darüber hinaus war ich schon an vielen Universitäten, Schulen und Kunstinstituten künstlerisch aktiv und konnte auch bereits meine Bilder ausstellen. Ich arbeite bei meinen Werken mit verschiedenen Techniken, wie beispielsweise Ölfarbe, Acrylfarbe, Aquarell, Buntstift, Pastell, Rubbelbrett, Collage, Patina und Kupferstich. Außerdem habe ich in jedem dieser Werke mehrere Techniken, um verschiedene Altersgruppen mit den bildenden Künsten besser vertraut zu machen.

Seit 2018 lebe ich in Chemnitz. Hier habe ich meine Arbeit als Grafikdesignerin begonnen und schreibe nebenbei für die Zeitschrift Horizont. 2019 Jahr nahm ich an einer Kunstausstellung von Dialog Art in der Volkshochschule Chemnitz teil. Außerdem habe ich ein Projekt zur Gestaltung eines kulturellen Kalenders für das Frauenzentrum Lila Villa umgesetzt. Im Sommer und Herbst 2020 unterrichte ich bildende Kunst für Kinder im Chemnitzer Haus der Kulturen. 

Es ist mein großes Ziel, Persische Kunst Interessierten näher zu bringen. Außerdem möchte ich verschiedene Techniken und Stile miteinander verbinden, um reizvolle Aspekte in der Kunst zu schaffen.

Stephanie Brittnacher über sich:

Gezeichnet habe ich schon immer sehr gerne und viel. Wir sind früher oft umgezogen und während sich meine Umgebungen immer wieder veränderten, ist das Zeichnen eine Art roter Faden in meinem Leben geworden. Ich wollte auch beruflich immer etwas damit machen und empfand es als Glück durch eine Bekannte vom Kommunikationsdesign-Studium in Mainz zu erfahren, denn hier war auch Illustration dabei.

Ich hatte tolle Professoren und meine Diplomarbeit war schließlich ein Kinderbuch, das ich auch selbst schrieb. Nach meinem Studium habe ich zuerst in einer Agentur als Webdesignerin gearbeitet, aber eigentlich wusste ich, dass ich eher fürs Zeichnen gebacken war und auch freier arbeiten wollte. Ein weiterer Umzug stand an, diesmal nach Chemnitz und mit diesem Schritt machte ich mich selbständig. 

Seitdem zeichne ich für Unternehmen, Vereine und für meine Stadt. Und wieder hatte ich Glück, und wurde mit einer Freundin verkuppelt, einer Autorin. Mit ihr veröffentlichte 2017 das erste Kinderbuch und arbeite inzwischen an meinem fünften.

Bei meinen Bildern probiere ich gerne neue Techniken aus und lasse mich von anderen IllustratorInnen inspirieren. Ich schätze, man kann sich wirklich ein Leben lang weiterentwickeln und ich wünsche mir, noch mit 90, vielleicht etwas wackelig auf einem (wahrscheinlich digitalen) Blatt Papier zu kritzeln.

Links:
https://honarmandan.tumblr.com/
https://www.instagram.com/honarmandan.goftogu
https://www.instagram.com/pariya.masoudi/
https://www.instagram.com/frau_kneet/


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