Erfolgsgeschichten

Manchmal besteht die größte Herausforderung darin, das Land zu verlassen, in dem eine Person geboren wurde. Diese Veränderungen bereiten uns zwar große Schwierigkeiten, ermöglichen uns jedoch, uns selbst neu zu entdecken. Mustafa Geçmez (33) ist der erste Gast meiner Artikelreihe von Erfolgsgeschichten und erzählt uns über seinen Weg – vom Journalismus bis zur Webentwicklung. Sein Motto: “Es gibt kein Hindernis, das ohne Anstrengung zu überwinden ist.”

Blick auf Istanbul
In Istanbul aufgewachsen begann Mustafa Geçmez einen Neustart in Deutschland, dies hat vor allem mit der politischen Situation in der Türkei zutun. Foto: Selcuk Teke/pexels

Könnten Sie unseren LeserInnen bitte kurz erklären, wer Herr Mustafa Geçmez ist?

Am 15.06.1987 bin ich in Istanbul geboren worden und dann dort aufgewachsen. An der Universität in Istanbul habe ich sowohl den Bachelor als auch den Master im Bereich Türkische Sprache und Literatur abgeschloßen. Danach habe ich als Journalist sowie Korrespondent und Editor gearbeitet. Aus politischen Gründen bin ich vor vier Jahren nach Deutschland gekommen. Von dem Moment an, habe ich angefangen Deutsch zu lernen. Zwei Jahre habe ich Intensiv-Deutschkurse besucht und habe jetzt das C1-Sprachzertifikat.

Wie war Ihr Prozess, Deutsch zu lernen? Welches Ziel haben Sie damit verfolgt?

Tatsächlich sollte man erkennen, wie wichtig es ist, die neue Sprache zu lernen. Das hat dann den ersten Platz der Aufgaben in meinem Leben eingenommen. Ich wusste, dass ich es nur so schaffen kann. Erstmal habe ich vom A1- bis zum C1-Niveau Intensiv-Deutschkurse besucht. Jeden Tag habe ich auf Deutsch Easy-Podcasts (Anm. d. Autors: Easy bietet Podcasts zum Deutschlernen an)gehört. Nachdem ich das mittlere Niveau erreicht hatte, habe ich auf Deutsch Videos und kürzere Filme angeschaut und durchaus verstanden. Damals hatte ich im Leben wenig Zeit für etwas anderes.

Wie haben Sie entschieden, welche Karriere Sie nach dem Sprachtraining aufbauen wollen?

Es war ziemlich schwer für mich als Journalist in Deutschland zu arbeiten. Deswegen habe ich recherchiert, in welchem Bereich ich eine Chance bekommen kann, um mich zu entwickeln und wo ich arbeiten will. Anschließend entschied ich mich für den IT-Bereich (Anm. d. Autors: Informationstechnologie), dabei hatte ich drei Optionen zur Auswahl. Entweder hätte ich Informatik studieren, im Bereich Fachinformatik eine Ausbildung beginnen oder eine Umschulung sowie ein einjähriges Bootcamp absolvieren können. Ich habe zum Glück einige deutsche Freunde, die im IT-Bereich arbeiten. Von ihnen habe ich viele Informationen über den Beruf bekommen. Dann dachte ich, dass das meine neue Branche werden sollte. Damals startete ein Weiterbildungskurs für Informatik in meiner Stadt, für den ich mich dann angemeldet habe.

Wie läuft so eine Weiterbildung? Welche schwierigen oder auch erfreulichen Aspekte gibt es?

Ich würde sagen, dass es eine anstrengende Ausbildung war – sowohl praktisch als auch theoretisch. Sie fand täglich von 9:00 Uhr bis 16:15 Uhr statt. IT war meine neue Branche, folglich musste ich die Logik des Programmierens verstehen. Schwierig war für mich, dass der Kurs wegen Corona online gehalten wurde. Deshalb konnte ich manche Lektionen nicht verstehen und musste einige Dinge auf Webseiten und Foren selbst erlernen, die ich vorher nicht verstanden hatte. Nach einigen Monaten konnte ich meine erste Webseite entwickeln. Das hat meine Motivation gesteigert – einen Erfolg zwischendurch braucht man. Außerdem war ein wichtiger Teil vom Kurs, dass wir immer wieder neue Projekte in der Praxis entwickelt haben. Nach zwei Monaten sollten wir im Kurs ein finales Projekt machen, mit dem wir uns bei einer Firma bewerben sollten. Nach der Präsentation hatten einige Freunde von mir im Kurs ein Arbeitsangebot bekommen. Das war auch ein sehr gutes Gefühl.

Wie war das Bewerbungsverfahren?

Erstmal habe ich auf Englisch und auf Deutsch einen Lebenslauf vorbereitet. Außerdem hatte ich bei Linkedln und bei Xing ein Konto eröffnet. Danach habe ich mich für eine geeignete Stelle bei diesen Plattformen als Web-Entwickler beworben. Schon nach kurzer Zeit gab es eine positive Rückmeldung einer Firma. Dann haben wir technische Fragen der Bewerbung am Telefon besprochen und ich wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei diesem Bewerbungsgespräch?

Die Weiterbildung fand auf Englisch statt, darum musste ich nochmal Deutsch für das Bewerbungsgespräch üben. Denn dieses war auf Deutsch und das hat mich wirklich etwas nervös gemacht. Nach dem ersten technischen Bewerbungsgespräch am Telefon, sollte ich auf Deutsch ein technisches Produkt erklären. Bei diesem Gespräch wurden einige Fragen über das Produkt gestellt. Das war eine echte Herausforderung!

Und dann gab es welche Antwort?

Ich habe ein sicheres Jobangebot, das meine Erwartungen übertroffen hat.

Glückwunsch! Was empfehlen Sie anderen, die zurzeit beim Deutschlernen sind und sich dem Bereich IT zuwenden möchten?

Vor allem habe ich auf dem Weg zu dem Job, die große Bedeutung von Deutsch erlebt. Ich empfehle euch, obwohl die IT-Sprache meist Englisch ist, Deutsch bestmöglich zu lernen. Weiter empfehle ich zuallererst, dass sich die Person selbst erforschen sollte. Welche Bildung habe ich? Welches Alter und welchen Charakter habe ich? Denn Ausdauer und Disziplin spielen eine große Rolle in diesem Beruf. Aber mit der richtigen Einstellung und etwas Anstrengung gibt es kein Hindernis, um das Ziel zu erreichen.

Portrait von Kahn Kizilbaba
Autor unserer neuen Artikelreihe “Erfolgsgeschichten” Foto: Kaan Kizilbaba

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