Tage im Lockdown

Erika, eine alte, schöne Schreibmaschine, ist heute bei uns eingezogen. Ich habe sie auf eBay gefunden. Der Raum brauchte einen neuen Geist, um die Ecke zu verschönern. 

Die neue alte Erika. Foto: Mehmet Arici

Erika ist kerngesund. Ihr fehlt nur das Wasser ihres Lebens, das geschmückten Worten Leben einhaucht. Niemand weiß, wie viele Jahreszeiten die grausame Vorbesitzerin sie ohne Wasser gelassen hat.

Es ist schwierig, alt zu sein. Sie wird einige Zeit brauchen, um sich an ihren neuen Platz zu gewöhnen. Der Laptop hat ihr heute seinen Platz überlassen. Er versäumte jedoch nicht, sie zu warnen, bevor er ging: “Schwester, dieser Typ isst immer an diesem Tisch. Häufig verschüttet er sein Essen auf meine Tastatur. Du bist empfindlicher als ich, gib acht auf dich. Hey Mehmet, gib Dir Mühe beim Essen!“ 

Der arme Laptop – was er alles aushalten musste. Er hat jahrelang unter mir gelitten. Ich nahm ihn, säuberte ihn und entschuldigte mich bei ihm für die unschöne Zeit. 

“Erika ist eine sensible, alte, emotionale Dame. Du musst auf sie achten und sehr gut für sie sorgen”, sagte er. Ich antwortete: “Ja man, ich hab‘s verstanden. Nur weil ich die Frauen nicht verstehe, kannst du mich nicht wie ein Holzstück behandeln. Und wenn Du weiterhin übertreibst, werde ich 

Deine Festplatte löschen oder dich formatieren…Dann hast du alles vergessen und weißt nichts mehr.“

Meine Worte schockierten ihn… Die Angst konnte ich auf seinem Bildschirm sehr gut erkennen. Er berührte meinen Zeigefinger mit dem Touchpad und sagte: “Ok ok, du bist der Boss.”

Ich blieb stehen, dachte nach und erkannte, wie herrisch ich gegenüber meinen Habseligkeiten war. Bin ich etwa ein Despot? 

Diese Schreibmaschine ist seit langem das einzige feminine Objekt, das in meinem Haus eingegangen ist. Vielleicht kann ich ein bisschen Freundlichkeit und Höflichkeit von ihr lernen. Also alte Erika – Herzlich Willkommen! 

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