Amateurjournalist mit Profi-Leistung

Blut, zerstörte Häuser, Bomben, Terror, Entführungen und andere Schrecken waren für Basil Hawa in den letzten Jahren schrecklicher Alltag. Der 32-jährige syrische Journalist aus Idlib dokumentierte das traurige Schicksal seiner Heimat mit der Kamera. Keine leichte Aufgabe – zumal sein Hauptinteresse auf tabuisierten Themen lag. Entsprechende Probleme mit islamistischen Gruppierungen folgten. Hawa ist nach einer langen Flucht in Deutschland als Flüchtling anerkannt worden und lebt heute allein in Chemnitz. Basils Familie, seine Frau und die gemeinsamen drei Kinder, ist immer noch in Idlib und möchte dem Vater folgen.

Mehrere Männer demonstrieren Arm in Arm für einen demokratischen Wandel in Syrien.
Andere Zeiten: Voller Hoffnung demonstrieren Hawa und weite Teile der Bevölkerung für einen demokratischen Wandel in Syrien. Foto: Obaida Fadl

An der Universität in Aleppo hatte Basil Betriebswirtschaftslehre studiert, bevor er eine Weiterbildung zur Fachkraft für Hafenlogistik am internationalen Hafen in Latakia machte. Danach musste der junge Mann den Wehrdienst bei der syrischen Armee absolvieren. Wenige Monate nachdem Basil seine Wehrpflicht bei der syrischen Armee 2011 beendet hatte, gingen die Proteste gegen das syrische Regime los. „Zum Glück war ich nicht mehr bei der Armee“, sagt Basil lachend.

Basil und tausende andere Syrer wussten zu dem Zeitpunkt noch nicht, was auf sie zukommen wird, als sie auf die Straße gingen und gegen den syrischen Präsidenten Bashar Al Assad demonstrierten. „Wir wollten Freiheit und Demokratie“, so Basil und atmete daraufhin tief und traurig. Nachdem die syrische Armee die Demonstrationen mit brutaler Gewalt bekämpfte und viele Menschen erschoss, wurden die Proteste militarisiert.

Basil wollte nicht kämpfen und entschied sich die Verstöße der syrischen Armee mit anderen Freunden zu dokumentieren. Er war als journalistischer Aktivist bis 2015 tätig. Bombardierte Häuser, weinende Kinder, Leichen und vermisste Menschen beschäftigten Basil und seine Kamera sehr.

In Idlib leiden die Menschen einerseits unter den Angriffen des Assad-Regimes und dem Terror von radikalen Islamisten andererseits. Trotzdem glauben viele weiter an ihren Traum von einem freien Syrien und gehen Nacht für Nacht auf die Straße. 2015 wurde Hawas Leidenschaft zum Beruf, als er anfing bei „Smart Nachrichtenagentur“ zu arbeiten. Zu dem Zeitpunkt waren viele Regionen Idlibs unter der Kontrolle der islamischen „Alnusra Front“. Für Basil war es wichtig, die Verstöße der Islamisten zu dokumentieren und aufzudecken. Das brachte Basil aber viel Stress mit „Alnusra“ und er wurde von den Islamisten mehrmals festgenommen, weil er sie in seinen Beiträgen kritisierte.

Basil Hawa läuft zwischen Trümmern, in der Hand hält er eine Kamera.
Unmittelbar nach einem Angriff dokumentiert Hawa vom Ort des Geschehens. Foto: Obaida Fadl

Die Tätigkeit bei „Smart“ ermöglichte ihm den Kontakt zu internationalen Medien und Agenturen. Basil hat unter anderem Beiträge für BBC, AFP und ARTE produziert. Er wollte nur noch für ausländische Medien produzieren, damit er nicht mehr verfolgt wird. „Sie sind zu blöd, um deutsche oder englische Medien zu verfolgen und meine Beiträge zu sehen“, so Basil. Er dokumentiere Verstöße gegen Frauen, Menschenrechte und Korruption der Oppositionsführer in Idlib.

Für Basil wurde es 2019 besonders gefährlich, als die Dschihadisten ihn bedrohten und ihn aufforderten, die Stadt zu verlassen. Er konnte weder in die Gebiete der syrischen Armee gehen noch in Idlib bleiben. Ihm blieb nur noch die Flucht übrig.

Nach einer langen Flucht über die Balkanroute kam Basil nach Deutschland. Er lebt in Chemnitz und verbringt seine Zeit mit Fotografieren und Deutschlernen. In der Asylunterkunft spricht er mit anderen Geflüchteten über die Lage in der Heimat und macht sich Sorgen um seine Familie. Sein Freund Ahmad, der seit 2015 in Chemnitz lebt, zeigt ihm die Stadt und stellt ihm Freunde vor. Basil möchte nun dringend arbeiten, damit er die Flucht seiner Familie aus Idlib finanzieren kann. Die Familie nach Deutschland zu holen ist momentan sein einziges Ziel. „Ich versuche die Tränen zu verstecken, wenn ich mit meinen Kindern skype, aber es fällt mir schwer.“

Links:
https://www.arte.tv/de/videos/092297-000-A/syrien-protest-gegen-dschihadisten/

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